Blumengarten


Wie es dazu kam...

Als wir unser Haus bauten, kümmerte sich mein Vater, der ein Landwirt aus Westpreußen war, ausschließlich um den Garten. Der Vorgarten bestand aus einem Rasen und einer Rosenrabatte, wie es damals üblich war. Hinter dem Haus lag der Nutzgarten mit mehreren Obstbäumen, die selbstverständlich allesamt aus Kernen herangezogen waren.

Nach dem Tod meines Vaters versuchten wir einige Jahre, es ihm gleichzutun. Wir pflanzten Kartoffeln, Böhnchen, Erdbeeren und Kräuter. Wegen verregneter Sommer fiel die Erdbeerernte grundsätzlich aus und die Böhnchen waren immer reif, wenn die Kinder Ferien hatten und wir unseren Jahresurlaub machten. Also ernteten Bekannte die Böhnchen, so dass unsere ganze Gartenarbeit eigentlich sinnlos war.

Nach einer schweren Krankheit buchten wir, nachdem wir jahrelang auf Borkum, Baltrum und in Dänemark Urlaub gemacht hatten, erstmalig einen Spanienurlaub.

Wir hatten einen Bungalow direkt am Meer. Ich saß auf der Terrasse, schaute aufs Meer und war umgeben von blühendem Oleander, Palmen und meterhohen Geranien, die völlig verholzt waren und schon viele Jahre draußen überwintert hatten.

Diese Umgebung gab mir so viel Lebensmut, Lebensfreude und Kraft, so dass ich euphorisch beschloss: Ich will einen Blumengarten und nichts anderes, und zwar sofort.




Ein von mir im darauf folgenden Jahr im Spanienurlaub verfasstes Gedicht erinnert an diese Zeit.

Sonne im Garten

Ich sehnte mich so sehr nach der Sonne des Südens und dem Meer.
Ich hatte mich in die Vegetation verliebt,
die es bei uns daheim leider nur in Kübeln gibt.
Drei Wochen Blütenpracht - nur im Urlaub -
reichten mir auf Dauer nicht aus. So plante ich letztes Jahr
einen Garten Eden hinterm eigenen Haus,
in dem es rund ums Jahr grünt und blüht und jeden
Tag etwas zu entdecken gibt,
mit Nistkästen, Teich, Wasserfall und – Gott sei Dank -
überdachtem Freisitz und der obligatorischen
weißen Bank.
Nun bin ich im sonnigen Süden, schau' auf blühenden Oleander,
Palmen, das Meer und vermisse plötzlich
meinen Rittersporn, die Rosen und die weißen Lilien so sehr.
Wie langsam doch die letzte Woche vergeht!
Ob die Datura meine Abwesenheit wohl übersteht?
Ich sammle nur noch schnell ein paar schöne Steine am Strand.
Mit einer Flasche voll Meerwasser und einem Glas weißem Sand
geht’s dann heim.
Nimm du dieses Lasso und fang' mal eben die Sonne
für meinen schönen Garten ein.
 Roda de Bara/Costa Dorada




'Das Leben beginnt mit dem Tag, an dem man einen Garten anlegt.'
Aus China

Die Fachleute verlegten Klinkerpflaster und setzten die Holzpalisaden für Hochbeete nach einem von unserem Nachbarn, der gerade sein Studium als Gartenbau-Ing. abgeschlossen hatte, erstellten Plan.

Da ich voll berufstätig war, blieb uns nur das Wochenende, um in allen möglichen Gärtnereien, Gartencentern und Baumschulen nach den vorgesehenen Pflanzen zu suchen. Vieles musste anders bepflanzt werden, als es geplant war. Jeden Baum, jeden Strauch und jede Staude habe ich eigenhändig und meist sonntags gepflanzt. Zum Schluss waren wir mit unserem neuen Garten sehr zufrieden.

Als die Stauden im Herbst einzogen, kam ich allerdings ins Grübeln und es erschien mir wie ein Wunder, als sie im Frühjahr wieder austrieben.

Ich legte damals ein Fotoalbum an, machte bei herrlichstem Sonnenschein (!) Gartenfotos und staunte, dass es jedes Jahr andere Höhepunkte in unserem Garten gab. Diese bekamen dann jeweils Namen, wie z.B. 'Datura, das Kübelwunder', 'Rhododendron-Feuer', 'Ein Sommer – lavendelfarben', 'Der Kübelpflanzen-Sommer', 'Hortensien-Traum', 'Seerosen-Sommer', 'Fuchsen-Fieber'.

Ich habe viele Anfangsfehler gemacht. Nach zwei, drei Jahren habe ich sämtliche Pflanzen aus meinem Garten entfernt, die zum Wuchern neigen, z.B. Felberich, Knöterich, Farne, Gräser. Es gab auch Pflanzen, die bei mir auf Dauer nicht gedeihen wollen, z.B. Rittersporn.

Inzwischen ist viel geschehen. Den Teich haben wir vor zwei Jahren zugeschüttet und einen offenen Pavillon darauf gesetzt. Auch den Wasserfall gibt es nicht mehr. Beim Efeuschneiden wurde versehentlich das Kabel durchtrennt. Die Holzpalisaden sind in die Jahre gekommen und wurden z.T. durch Granitpalisaden ersetzt.

Ich erinnere mich an einen Sommer, in dem ich allein elf Daturas hatte, die morgens, mittags während meiner 30-minütigen Mittagspause und abends gegossen werden mussten. Ich hatte in all den Jahren eigentlich alles, was es an Kübelpflanzen so gibt, wobei ich mich an den Satz von Karl Förster hielt 'Nicht kleckern, sondern klotzen'.

Natürlich habe ich immer nur eine Pflanze gekauft und dann fleißig vermehrt. Das scheint bei uns in den Genen zu liegen. Ich kannte dies schon von meinem Vater, dem ich eines Tages einen Stängel von einer wunderschönen weinroten gefüllt blühenden Herbstaster gab. Die nette Frau Stork hatte ihn mir geschenkt mit den Worten, er würde schnell bewurzeln, wenn man ihn in die Erde stecke und feucht halte. Es dauerte nicht lange, da blühten diese Astern in großen Mengen zur Straße hin an der gesamten Rasenkante entlang. Wenn Leute stehen blieben und diese Pracht bewunderten, hatte Papa immer noch ein paar Pflanzen 'in Reserve' zum Verschenken.

Dann hatte ich z.B. einige Jahre sieben große Töpfe mit Kamelien, darunter ziemlich teure von Peter Fischer aus Wingst, die wir dort persönlich abholten. Während eines Mallorca-Urlaubs sind sie leider vertrocknet.

Dann war ich vom Fuchsien-Virus infiziert. An allen möglichen Stellen in meinem Garten wuchsen und blühten einige Jahre lang wunderschöne winterharte Fuchsien und dazu noch eine ganze 'Fuchsienstraße' auf den Hochbeeten an Nachbars Grenze. Es war einfach eine Pracht! Und dann wurde in einem Winter (fast) alles dahingerafft. Ich kenne bis heute nicht den Grund. Sie waren vorschriftsmäßig tiefer gepflanzt. Erfroren sind sie nicht. Ich habe ein weiteres Jahr gewartet, weil ich dachte, sie würden doch noch austreiben. Vergeblich. Jetzt habe ich vielleicht noch zehn winterharte Fuchsien in meinem Garten. Eine bewährte Sorte ist die großblumige 'Mrs. Popple'.




Der momentane Stand ist, dass meine Lieblingspflanzen folgende sind: Lenzrosen, Gartenaurikel, Hortensien, Pfingstrosen, Wildformen der Waldrebe (Clematis viticella), Staudenclematis, Herbstanemonen und Funkien, letztere überwiegend fast nur noch in Kübeln. Wegen der Waldreben musste ich an vielen Stellen in meinem Garten in die Vertikale gehen. Da ich auch noch Lenzrosen z.T., die Aurikeln und meine Hovaria-Hortensien u.v.a.m. in Töpfen habe, sieht es bei mir aus 'wie bei Hempels'.

So ergab es sich, dass ich ab und an Pflanzen auf der Staudenbörse anbiete, um Platz zu schaffen, wobei ich aber auch sagen muss, dass immer ein paar Pflanzen vorhanden sein sollten, um 'Löcher' im Beet zu schließen. Ab und zu 'verabschieden' sich nämlich Stauden, wenn ihnen der Platz nicht behagt.

Alles in allem denke ich, dass ich keinen Garten für die offene Gartenpforte, sondern einen Garten für die Seele habe, in dem ich mit Pflanzen experimentiere, mich an ihnen erfreue, sie fotografiere (ich habe keine teure Kamera) und in dem ich komplett abschalten und ganz ich selbst sein kann. Nach dreißig Berufsjahren in Vollzeit hinterm Schreibtisch plus Haushalt, Haus, 'Kind und Kegel' tut mir dieser Garten einfach nur gut. Und ein jeder Tag, an dem ich es nicht geschafft habe, meditierend durch meinen Garten zu gehen, dessen Wohl mir sehr am Herzen liegt, ist für mich ein verlorener Tag.

Es gibt ein Buch von der Werbefotografin und Autorin Christine Meile, leidenschaftliche Gärtnerin und Rosensammlerin, mit dem Titel '...ich habe die Lust zu reisen gegen einen Rosenstrauch eingetauscht'. Ich möchte behaupten, dass dies inzwischen auch auf mich zutrifft. Den 'Rosenstrauch' würde ich allerdings durch das Wort 'Garten' ersetzen. Über einen Winterurlaub ließe ich evtl. mit mir reden, obwohl man dann auch gemütlich im Warmen sitzen und in Gartenbüchern blättern kann.

Zwei Tatsachen, die mir aus der Seele sprechen, hat Gertrude Jekyll, die berühmte englische Gartengestalterin und Autorin, so formuliert:
'Die Liebe zum Garten ist ein Same, der, einmal gesäet, nie wieder stirbt, sondern weiter und weiter wächst – eine bleibende und immer voller strömende Quelle der FREUDE.'
Und:
'Gärten sollen so sein, dass man darin LEBT.'

Ganz zum Schluss augenzwinkernd noch eine nicht von der Hand zu weisende Weisheit des bengalischen Nobelpreisträgers für Literatur Rabindranath Thakur (später: Tagore):
'Dumme rennen, Kluge warten, Weise gehen in den Garten'.




Plan? Beschreibung?

Für mich ist es schwer, meinen Garten in Kurzform zu beschreiben. Ich versuch's trotzdem:

Die Grundstücksgröße beträgt 700 qm mit 24 m Straßenfront.

Der Vorgarten ist zur Straße hin offen und befindet sich an der Ostseite des Gebäudes mit zwei Treppenaufgängen zur Haustür. Dazwischen ist ein dreieckiges Beet mit einem schon älteren Enkianthus (Prachtglocke), links daneben ist ein großes Beet mit einem Cornus kousa (chin. Hartriegel), rechts daneben sind die 13 m lange Garagenzufahrt und ein Stellplatz.




Höhepunkt an der Nordseite des Wohnhauses ist jedes Jahr eine Clematis montana 'Tetra Rose' (Waldrebe). In Hochbeeten darunter wachsen z. B. Hortensien, Helleborus-Hybriden und eine (übrig gebliebene) wh. Fuchsie. An der Grenze zum Nachbarn rechts stehen überwiegend Buchsbäume. Garage und Wohnhaus sind durch eine Tür verbunden.






Dort betritt man den ehemaligen Gemüsegarten, der in mehrere Bereiche aufgeteilt ist, und zwar links in den 'Waldgarten' mit einem riesigen 'Efeubaum', unter dem sich ein Süßkirschbaum verbirgt, rechts davon ist die große Terrasse.














Mittelpunkt des Gartens ist aber der von Clematis umrankte Pavillon (früher Teich), umgeben von Stauden, rechts davon im Anschluss an die Garage die überdachte Terrasse, mein Lieblingsplatz bei Regen.




Hochbeete befinden sich auch an der Westseite direkt am Haus. Zu den Nachbarn rechts und links ist der Garten nicht einsehbar, ansonsten genießen wir von unserem Esszimmer aus den freien Blick in den Garten eines weiteren Nachbarn.

Ein separater Gartenraum, abgetrennt durch Sichtschutz mit Pergola, aber einsehbar und erreichbar durch ein offenes Tor, ist an der Südseite des Gebäudes. Mittelpunkt dieses Bereichs ist ein großes Hochbeet, einst als 'Kräuterbeet' geplant und von Anfang an 'zweckentfremdet', weil mir Tulpen und Vergissmeinnicht, umrandet von Schleifenblumen, besser gefielen. Lediglich die Iberis sind noch da. Außerdem wächst dort neben einer Sternmagnolie, einem Hibiscus, einer Säulenkirsche, einem Schmetterlingsflieder an der Südseite des Hauses der größte Teil meiner Pfingstrosen.









Zum guten Schluss gebe ich all denen, die noch keinen Garten haben (die anderen wissen das sowieso), eine Weisheit AUS JAPAN mit auf den Weg:
'Wenn du vergnügt sein willst, umgib dich mit Freunden. Wenn du glücklich sein willst, umgib dich mit Blumen'.

Aus diesem Grund sucht man in meinem Garten vergebens nach einer Rasenfläche...

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Kommentare:

  1. Liebe Edith, es ist großartig bei dir! Gartenleidenschaft durch und durch, das gefällt mir! Geschmunzelt habe ich bei den vielen Datura-Töpfen: genau diesen Wahnsinn habe ich auch hinter mir. Und auch ich bin Opfer der Kamelienleidenschaft geworden. Auch mein Exemplar von Fischer hat's auf die Dauer nicht gemacht :-)

    Ganz herzliche Grüße von Gärtnerin zu Gärtnerin
    Xenia

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  2. Liebe Edith,
    oh wie wunderschön doch dein Garten ist. Voller Blütenpracht und wie ich finde sehr harmonisch angelegt. Du hast dir also ein Paradies geschaffen, in dem du dich wohlfühlen und (nach der Gartenarbeit) entspannen kannst. Deine Clematis am Haus ist der Hammer --- habe ich so noch nicht gesehen. Leider gedeihen bei mir so gar keine Clematis ... schade. Na ich schau dann öfter bei dir vorbei.
    LG Dany

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  3. Hier hatte ich doch zumindest schon mal reingelesen. Aber jetzt habe ich alles gelesen.
    Wahnsinn! Wie hast Du das nur alles geschafft, dazu noch neben voller Berufstätigkeit?
    11 Daturas ... mir war meine eine schon eine zu viel. Die werden ja sehr groß! Und dann das Überwintern. Da stöhnte sogar mein Mann, wenn er den schweren Kübel in den Keller unseres Waldgartenhauses schleppen mußte. ;-)

    Das mit den Kamelien ist ja sehr schade! Und vielleicht sind Deine Fuchsien eher vertrocknet im Winter, ähnlich wie das beim Kirschlorbeer geschieht, denn die braunen Blätter kommen nicht vom Frost sondern durch Wassermangel im Winter.

    Hmm, Deinen Garten hätte ich mir aber gerade als prädestiniert für die "Offene Pforte" vorgestellt. Alles schaut so wunderschön und gepflegt aus im Gegensatz zu unserem Garten. ;-) Dazu die Vielfalt ...
    Mit dem Reisen ist es bei mir allerdings eher umgekehrt, ich würde heute gern mehr verreisen, weil ich früher nicht so sehr viel die Möglichkeit hatte. Mit 3 Kindern war das nie so ganz einfach und mit pflegebed. Omas und Opas ...

    Dein Vorgarten ist wirklich eine Schau! - Ja, ein Garten tut einfach der Seele gut, aber auch die freie Natur.

    Liebe Grüße auch an dieser Stelle
    Sara

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  4. Liebe Edith, ganz wunderschön, Dein Blumengarten.
    Und wenn Du Lust hast, dann guck doch mal hier: https://www.luettesblog.de/schmetterlingeammittwoch/
    Da sollte Dir was bekannt vorkommen
    Liebe Grüße
    Frauke von Lüttes Blog

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    1. Da bin ich aber gespannt, liebe Frauke, schon notiert, ich mache mich gleich auf den Weg. Danke für Deinen Besuch und Kommentar. LG Edith

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  5. Liebe Frau Wenning,
    klasse Blog!
    Ich erinnere mich gern an frühere Zeiten - auch an den wunderschönen Garten.
    Liebe Grüße,
    Lausy

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    1. Liebe Lausy,
      Du glaubst gar nicht, wie sehr ich mich über Deinen Gruß freue!
      Immer mal wieder frage ich 'Mausy', wie es Dir und Deinen Lieben geht.
      Wie die Zeit dahin rast! So oft denke ich noch an die Zeiten, wenn ich
      in der Küche stand und Ihr Euch durch Euer fröhliches Lachen angekündigt
      habt. Von Herzen alles Gute für Dich, Deinen Mann und Deinen Jungen.
      Übrigens: in der Bloggerwelt duzt gegen jeden, damit Du Bescheid weißt,
      falls Du mich hier noch einmal besuchst.
      Herzensgrüße!
      Edith

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    2. Richtig muß es heißen: 'In der Bloggerwelt duzt jeder jeden'. Sorry!

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  6. Liebe Edith, das habe ich verstanden ☺☺!Und das nächste Mal, wenn wir Mausy besuchen kommen wirkurz vorbei. Ich würde mich so freuen, Euch wiederzusehen. Ich habe so schöne Erinnerungen an Euch.
    Liebe Grüße aus Bad Nenndorf ��

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