Dienstag, 15. August 2017

Bilder-Pingpong bei 'Jahreszeitenbriefe': Mit Pfeil & Bogen...




Sechs Kinder mit Pfeil & Bogen in Reih und Glied aufgestellt, zeigt das Impulsfoto, zwei von ihnen unentschlossen, doch drei augenscheinlich entschlossen, ihre Pfeile in Richtung der beiden 'Zielscheiben' abzufeuern. Ein Junge hat anscheinend überhaupt keinen Plan, wie das Geschoss funktionieren soll.






Zwei Kinder wurden als 'Zielscheiben' auserwähnt. Sie dürfen jeweils einen Schild (Schutzwaffe) halten. Das kleinere Kind im Vordergrund mit Kapuze duckt sich, während der Kopf des hinteren Jungen ungeschützt den Schild überragt. Ich muss unwillkürlich an mein Herzenskind denken. Menschliche Zielscheiben, wer hat sich das nur ausgedacht? 
 


Alle Beteiligten sind einheitlich blau gekleidet, als gehörten sie einem Verein an. Zwei ältere Jugendliche stehen etwas abseits. Auf mich wirken sie wie verantwortungslose Zuschauer, die nicht einschreiten, obwohl es ihre Pflicht wäre.





'Die drei Bogenschützen fixieren ihr Ziel und schießen ihre Pfeile am Ende wirklich ab!' denke ich bei dem Anblick. Mir läuft es kalt über den Rücken.

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Pfeil & Bogen gab es in meiner Kindheit bei den Jungen im Dorf auch. Diese 'Flitzbogen' waren so beliebt, weil man in der Nachkriegszeit kein anderes Spielzeug hatte und sich jeder Knabe dieses Gerät selber basteln konnte, genau wie die Steinschleuder, umgangssprachlich 'Protze' genannt. Etliche Unfälle veranlassten meine Mutti, sich meinen drei Jahre älteren Bruder vorzuknöpfen, um ein ernstes Wörtchen mit ihm zu reden. 'Man zielt nicht auf Menschen, nicht im Spaß und nicht im Ernst, nie, nicht mit Protzen, nicht mit Pfeil & Bogen, nicht mit Gewehren und auch nicht mit schlechten Worten oder bösen Gedanken!'



Und wie Recht sie damit hatte, wurde mir bewußt, als sich im Nachbarort ein Vorfall ereignete, der eine ganze bis dahin glückliche Familie zerstören sollte. 

Es waren 'Leute mit Geld', die sich alles leisten konnten, was angeblich zum Glücklichsein erforderlich ist. Der Vater gehörte einem feudalen Jagdclub an und versuchte, seinen Sohn von Klein auf an ebenfalls für die Jagd zu begeistern

Eines Tages kam der Vater von der Jagd nach Hause, lehnte sein Gewehr in der Küche gegen eine Wand, um nur kurz ins Bad zu gehen. Als die Mutter mit einem gefüllten Wäschekorb die Küche betrat, hielt ihr achtjähriger Sohn das Gewehr auf sie gerichtet in Händen und rief lachend: 'Mami, Hände hoch oder ich schieße!' Und als sie die Wanne nicht abstellte, um die Hände zu erheben, drückte er ab. Die Mutter sackte in sich zusammen. Sie war auf der Stelle tot. Für den Jungen sollte es ein Spaß sein. Er war es gewohnt, dass das Gewehr des Vaters gesichert und nicht geladen war.

Fazit: Die Mutter tot, der achtjährige Sohn ihr Mörder. Der Vater mußte sich vor Gericht wegen Verletzung seiner Aufsichtspflicht und Verstoßes gegen das Waffengesetz verantworten und wurde rechtskräftig verurteilt. Aber das machte die Mutter nicht wieder lebendig, sondern die Sache nur noch schlimmer. 

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DESHALB läuft es mir beim Anblick des Impulsbildes eiskalt über den Rücken. Wenn der Rasen auch noch so grün, ein Baum, Sträucher und sogar ein Bach in der Nähe sind, so machen sie das Foto für mich nicht besser. Ich mag es nicht!

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Ich mag es auch nicht, wenn kleine Kinder im Sommer mit Wasserpistolen herumlaufen. Erst kommt die Wasserpistole, dann die andere und vielleicht später sogar eine echte.

Ein kleiner Junge hatte beim Trinken mit einem Strohhalm durch eine unachtsame abrupte Bewegung seinem Vater den Strohhalm ins Auge gestoßen. Das Auge konnte zum Glück noch gerettet werden.

Ich hasse es auch, wenn Leute beim Essen erzählen und dabei mit Messer und Gabel in der Gegend herumfuchteln. 

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Mit meinen Kindern war ich im Freibad zu finden, in der Bücherei und auf Sportplätzen. Wir haben Picknicks im Wald gemacht, kannten sämtliche Abenteuerspielplätze und Trimmpfade in der ganzen Umgebung. Es bedarf keiner 'Spielgeräte', die zur Waffe mutieren können.

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Das Leben und die Gesundheit sind das wertvollste Geschenk, das wir haben. Man sollte weder das eine noch das andere gedankenlos oder fahrlässig aufs Spiel setzen. Mal hat man Glück, ein anderes Mal nicht.

Im wirklichen Leben stehen tödlich verletzte Menschen nämlich nicht - wie im Film und in Computerspielen - wieder auf. 

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Impulsbild

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Ich möchte hier anmerken, dass ich den Text zu dem Impulsfoto spontan geschrieben und später 'entschärft' habe, weil ich nicht weiß, wo und wie das Foto entstanden ist, wer die Kinder sind, in welchem Verhältnis sie zu Dir, liebe Ghislana, stehen. Ich will hier niemanden verletzen, bin aber auch nicht der verlogene Typ Mensch, der als Reaktion auf das Impulsbild in die Hände klatscht und begeistert 'Bravo', ruft, 'welch ein wunderschöner, kreativer Kindergeburtstag!'

Hätte anstatt der beiden Kinder (die geduckte Haltung des vorderen Kindes mit dem Verdrehen des ganzen kleinen Körpers drückt Angst pur aus!) dort vor einer sicheren Wand ein langer Tisch mit aufgestapelten leeren Konservendosen gestanden, dann wäre mir - obwohl ich grundsätzlich gegen solche 'Spielgeräte' bin - wahrscheinlich ein anderer Text dazu eingefallen.


All meinen Leserinnen und Lesern wünsche ich einen unfallfreien Tag.

Lust auf mehr Pingpong-Beiträge von mir? Mit einem Klick seid ihr beim entsprechenden Post. Viel Spaß!
Januar 2016: 'Dieser Weg wird kein leichter sein...'
Februar 2016: 'Von der Schrottimmobilie zum Penthouse...'
März 2016: 'Metamorphose einer Malerin...'
April 2016: 'Unser blau-grüner Planet...'




Mai 2016: 'Geh aus, mein Herz, und suche Freud...'
Juni 2016: 'Yamato Tanoka, der über Nacht berühmt wird...'
September 2016: 'Brüll, Löwe, brüll...'
Oktober 2016: 'Ein Traum von einem Haus...'
November 2016: 'Empfinden Tiere Liebe?'
Dezember 2016: 'H wie: Hör auf dein Herz...'
Januar 2017: 'Der Dachschaden des Dagobert Krause...'
Februar 2017: 'Haus mit Garten zu vermieten...'
März 2017: 'Gute Erinnerungen tragen unser Leben...' 
April 2017: 'Jäger, Sammler & Gartenverrückte...'
Mai 2017: 'Gefangen im Labyrinth...'
Juni 2017: 'Ein Baum erzählt...'
Juli 2017: 'Fake News'...
 

Kommentare:

  1. Liebe Edith,
    mir war es gleich zu Anfang, als ich das Bild gesehen habe, schon schlecht.
    Dass man das so zulässt finde ich schon schlimm.

    Das ganze hat mir nicht gefallen, deshalb habe ich es ein wenig anders gemacht und einen Krimi geschrieben.

    Die Bogenschützen AG von Herrn Hinterschnellinger schießt ja auch nicht auf Kinder.

    Wer lässt den sowas zu.

    Ich kapiere das nicht.

    Lieben Gruß Eva

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  2. Puuh.. Edith, da hat Dich das Impulsfoto aber wirklich mitgenommen. Ich mag auch kein militantes Spielzeug. Obwohl alle Welt es als "normal" empfindet. Dass die beiden Schildjungen als Ziel dienen, ist unverantwortlich. Ich möchte mal wissen, welcher Bogenschützen-Lehrer dafür zuständig war.. grrr!! Ganz liebe Grüße, Nicole (die Zuhause momentan kein Internet hat)

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  3. Liebe Edith, ich kann sehr gut nachempfinden, was in Dir vor geht. Militärspielzeug ist auch nicht meine Vorstellung von Vorbereitung auf das Erwachsenenleben. Diese Geschichte zum Thema Waffen, lässt es einem eiskalt den Rücken herunterlaufen! Schön, dass Du nicht einfach Ja und Amen sagst, sondern Deine Meinung freundlich kund tust! Das ist eine wertvolle Eigenschaft. LG sendet Marion

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    1. 'Diese Geschichte zum Thema Waffen', liebe Marion, ist leider traurige Wahrheit. So etwas könnte ich gar nicht erfinden. Danke für Deinen Kommentar.
      Liebe Grüße
      Edith

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  4. oh jaa..
    ich habe mich auch gewundert dass da Kinder stehen
    es wäre doch einfach eine Strohscheibe dort hin zu stellen
    wer weiß welche Durchschlagskraft so ein Pfeil hat
    selbst wenn es so aussieht als ob die Pfeile keine Spitzen haben sondern so eine Art von Saugnapf
    allein schon der Gedanke Kinder auf Kinder zielen zu lassen ist abwegig
    deine Interpretation finde ich voll in Ordnung

    liebe Grüße
    Rosi

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    1. Das ist der Punkt, liebe Rosi, Kinder zielen auf Kinder.
      Danke für Deinen Kommentar.
      LG Edith

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  5. Ja, liebe Edith, wie sagt man immer so schön, "Das kann in's Auge geh'n!
    Auch mit Stopfen auf den Pfeilen ist das viel zu gefährlich.
    LG Heidi

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