Samstag, 30. Januar 2016

Kugeleiche mit Aussicht..

So etwas wie 'Liebe auf den ersten Blick' scheint es auch bei Bäumen zu geben. Vom ersten Augenblick an berührte dieser Baum mein Herz. Ich sah ihn und dachte 'Das ist der schönste Baum, den ich je gesehen habe'.

'Der schönste, der vollkommenste und zu jeder Jahreszeit bestaussehendste Baum', ergänzte ich dann im Laufe der Jahre.


Und an meiner Meinung hat sich bis heute nichts geändert. Der Baum steht zur Linken an einer viel befahrenen Landstraße zwischen den Orten Sinningen und Saerbeck. Und weil er der Hausbaum einer Gaststätte ist, darf man dort nur 70 km/h fahren und kann ihn während der Fahrt bestaunen.


Das mache ich jetzt schon seit vielen Jahren. Ich glaube nicht, dass ich jemals so in Gedanken sein könnte, um achtlos an ihm vorüber zu fahren.


Der Baum ist umgeben von großen landwirtschaftlich genutzten Flächen. Ich sah nie eine Möglichkeit, ihn ohne die Gaststätte mit Wohnhaus in seiner vollen Größe aufs Bild zu bekommen.


Als ich mich kürzlich aus entgegengesetzter Richtung näherte, setzte ich spontan den Blinker rechts und fuhr auf den hauseigenen Parkplatz. Ich wollte mich endlich mal selbst vor Ort von den Gegebenheiten überzeugen und staunte nicht schlecht, dass ich den Baum ohne besondere Mühe in seiner ganzen Pracht fotografieren konnte.

Welch eine Freude! Ich nahm mir Zeit. So gelangen mir sogar ein paar Schnappschüsse, die nichts von dem starken Verkehr auf dieser Straße erahnen lassen. 


Und nun kommt etwas, das mich selbst am meisten überrascht hat. Weil ich mir bezüglich des Namens meines Lieblingsbaumes nicht sicher war, habe ich recherchiert. 

Es handelt sich hierbei um eine deutlich über 300 Jahre alte Kugeleiche in Saerbecks Bauerschaft Sinningen mit einem Kronendurchmesser von über 26 Metern. Der Durchmesser  des Stammes wird mit 1,40 m angegeben. Diese herrliche Kugeleiche ist als Naturdenkmal verzeichnet.

Vom Seniorchef der benachbarten Gaststätte soll der Satz stammen: 'Dieser Baum gilt als schönste Kugeleiche des Münsterlandes'. Wow! Dem kann ich mich nur anschließen.


Und falls sich der eine oder andere nun fragen sollte, was es mit der Mühle auf der gegenüberliegenden Straßenseite auf sich hat... Nach dem Motto 'Zwei auf einen Streich' begab ich mich auch noch dorthin. Hier sind die Fotos:



Diese Windmühle gehört zum Hof Eilers und ist weithin sichtbar und unter dem Namen 'Sinninger Mühle' bekannt. In 1866/1867 als Holländerwindmühle (Wallholländer)  mit 22 Metern Höhe und drehbarer Haube erbaut, seit 1996 als Baudenkmal geschützt und in den Jahren 2000/2001 grundlegend restauriert, wird sie heute von der Feuerwehr Saerbeck genutzt.  



Der eichene Achtkantbaukörper der Mühle ist auf einem gemauerten Sockel mit Durchfahrt errichtet. Ein Erdwall umgibt den Sockel. 

 
Baum und Mühle haben mich im Vorbeifahren schon immer fasziniert. Aber mit diesem neuen Wissen ausgestattet, habe ich doch noch einen etwas anderen Blick auf diese Zeugen längst vergangener Zeiten.



Vielleicht hattet Ihr auch ein wenig Spaß. 

Diesen Post schicke ich nun zu Ghislanas 'Mein Freund, der Baum'; denn für diesen hier vorgestellten Baum trifft dies für mich ganz besonders zu.


Und damit sage ich 'Tschüss' für heute und wünsche Euch allen ein schönes Wochenende
.

Donnerstag, 28. Januar 2016

Mit Tulpen unterwegs...



Im Supermarkt meines Vertrauens lachten mich bei meinem gestrigen Einkauf auf dem Weg zur Kasse Tulpen an in einer Farbe, die ich sehr mag.

Mit meinem Strauß zu Hause angekommen, holte ich eine passende Vase, schnitt die Stiele der Tulpen an und plötzlich - wie aus dem Nichts - war sie wieder da, eine Erinnerung, die sich zu dieser Tulpenfarbe in meinem Kopf festgesetzt zu haben scheint.


Es war das Wochenende vor Ostern. Meine Schwiegertochter stand vor meiner Haustür und überreichte mir einen Arm voller Tulpen, die sie wegen des bevorstehenden langen Wochenendes fast zum Nulltarif erstanden hatte.


Ich stellte einen Strauß auf den Eßzimmertisch. Dann machte ich zwei Sträuße für den Friedhof fertig. Ich hatte lieben Besuch, der sich anbot, die Blumen zum Friedhof zu bringen. Als er aber sah, dass ich die Vasen mit Wasser gefüllt und in einen großen Eimer gestellt hatte, schaute er mich fragend an. Ich vermutete, dass auf dem Friedhof das Wasser noch abgestellt war. 'Okay', sagte ich, 'ich komme mit', setzte mich auf den Beifahrersitz, den Eimer mit den Blumenvasen zwischen den Knien eingeklemmt.


Wir fuhren stadteinwärts. An der großen Kreuzung sprang die Ampel gerade von Rot auf Grün. Mein Fahrer setzte den Blinker links und fuhr mit unverminderter Geschwindigkeit, obwohl in diesem Moment ein Höllenlärm einsetzte, auf die Kreuzung zu.



In Bruchteilen von Sekunden überschlugen sich meine Gedanken:
Alles geschah irgendwie gleichzeitig.
Die Erkenntnis: Der hält nicht an!
Zwischen einem haltenden LKW und dem Sparkassengebäude sah ich, wie Rettungswagen, Notarzt und Polizei von links angerast kamen.
Vor meinen Augen blätterte jemand im Zeitraffertempo in einem Buch, auf dessen Seiten ich Stationen meines Lebens erkannte.
Mich packte das blanke Entsetzen und ich hörte mich selbst aus Leibeskräften schreien: 'STOPP'!
Vollbremsung! Wir schossen Richtung Windschutzscheibe. Ich sah nur noch rot, das Rot des Rettungswagens, befand mich in Augenhöhe mit dem Notarzt und danach mit zwei Polizisten, die an uns vorbeirasten.
Das Auto, ein Ford KA, war mit etwa 1/3 seiner Länge im Kreuzungsbereich zum Stehen gekommen. Es war eine Sache von Millimetern.



'Danke, lieber Gott, danke , liebe Schutzengel!' Meine trockenen Lippen formulierten wie von selbst, was ich in dem Moment empfand: Einfach nur Dank, tausendfach Dank. 'Wie kannst du mich so erschrecken?!' Ein an mich gerichteter Vorwurf meines Fahrers! Ich schwieg, weil ich wußte, dass auch er unter Schock stand. Auf der Fahrt zum Friedhof schüttelte er noch einmal seinen Kopf mit den Worten: 'Immer du bringst Unglück'. Ich blickte auf abgebrochene Köpfe meiner Tulpen, die mir zu Füßen lagen, vergaß meine gute Erziehung und sagte laut und deutlich das schlechte Wort, das mit A beginnt, wobei ich jede der beiden Silben bewußt betonte. In diesem Moment  erschien mir das mehr als gerechtfertigt.



Auf dem Friedhof sortierte ich mit zittrigen Knien die Tulpen, warf die 'enthaupteten' Stiele weg und legte die abgebrochenen Köpfe in den Eimer für zu Hause. Die beiden Sträuße fielen recht mickrig aus. Aber im Vergleich dazu, dass diese Fahrt zum Friedhof auch mit einem blutdurchtränkten Metallklumpen aus vier Autos und eingeklemmten Menschen hätte enden können, war der Schaden doch verhältnismäßig gering.


Ein paar Fragen sollten mich noch eine Zeitlang beschäftigen:
Wo muß ein Autofahrer mit seinen Gedanken sein, um das Sirenengeräusch von drei Autos zu überhören?
Warum tut sich ein Mann so schwer damit, sich selbst einen Fehler einzugestehen und sich dafür angemessen zu entschuldigen?
Warum erkannte ich in meinem 'Lebensbuch' neben wichtigen Ereignissen auch völlig unspektakuläre Seiten, z.B. mit einer Wiese oder einer Bank?


Die heutigen Blumen hatte ich eigentlich für Helgas Friday Flowerday gekauft, werde den Post aber nicht verlinken, weil ich ahnungslose Leser, die einfach nur einen schönen Blumenstrauß anschauen wollen, nicht erschrecken und mit meiner Beinahe-Horrorgeschichte ins Wochenende schicken möchte.

Ich denke, dass es für mich wichtig war, diese Geschichte einmal aufzuschreiben, um sie endgültig aus meinem Kopf zu kriegen.


Von meinen treuen Leserinnen und Lesern verabschiede ich mich mit dem Versprechen, dass am Samstag ein völlig 'unaufgeregter' Post folgen wird.

Dienstag, 26. Januar 2016

Winterbäume - blau-weiße Träume...

 Lotta sucht Winterbäume...

Unsere (Zwerg-)Weymouthskiefer

Winterträume.......Winterbäume,
wo sind sie? Ich sah sie nie
in diesem Jahr - fürwahr!

 Also griff ich tief - in mein Archiv.
Ich möchte meinen, da gab's mal einen
in irgend einem Jahr - schon etwas her, na klar.
Nun schaut, so sah es damals aus bei uns am Haus.
Der Garten war völlig zugeschneit, die Kinder hocherfreut.
Sie fuhren mit dem Schlitten, die Großen schaufelten und litten.

Unser alter Kirschbaum

Unser Flieder in seiner Altersform

Blick vom Eßzimmer in den Garten

Links die Weymouthskiefer

Rechts in der Mitte der rote Perückenstrauch

Links neben dem Perückenstrauch der Falsche Jasmin

Der zugeschneite See...


Tiggelsee in Steinfurt

Winterbäume im Kreislehrgarten...


Kreislehrgarten Steinfurt

Kreislehrgarten in Steinfurt

Kreislehrgarten Steinfurt

 Schon bald kamen böse Worte ins Spiel.
Den Leuten wurde der Schnee einfach zu viel.
Da hat sich der Winter klammheimlich davongemacht,
sich aber einen Denkzettel für die Menschen ausgedacht:
'Ihr könnt jetzt erst einmal lange darauf warten, 
bis ich wieder zurück bin in eurem Garten.'


Die Moral von der Geschicht:
Schimpf mit dem Winter lieber nicht.


All meinen Leserinnen und Lesern wünsche ich einen schönenTag.

Montag, 25. Januar 2016

Mandalas...

In Blogs, auf denen ich 'unterwegs' bin, sehe ich immer mal wieder ein Mandala.

Bei diesem Wort handelt es sich um einen mythisch-religiösen Begriff. In der Gelehrtensprache des Altindischen Sanskrit heißt Mandala Kreis oder Vieleckbild. Es ist ein Hilfsmittel der Buddhisten/ Hinduisten zur Meditation. In seiner größten Ausgestaltung steht ein Mandala für das gesamte Universum (Himmel, Erde, Unterwelt).



Für mich kämen für ein Mandala wohl in erster Linie Naturmaterialien in Betracht. Jahreszeitliche Mandalas würden mich am ehesten interessieren.

Der Gedanke zu meinem ersten Mandala (ich bin da völlig ahnungslos) kam mir ganz spontan, als ich im Bügelkeller die getrockneten Strohblumen von meinem herbstlichen Friday Flowerday-Strauß sah.

Ich hatte die Strohblumen zum Trocknen in den Heizungskeller gehängt und ganz davon vergessen, fand nun, dass es eine gute Idee sei, aus den Blütenköpfen mein erstes Mandala zu legen. 


Dann stand da auch noch die Schale mit den Haselnüssen, die ich im Herbst zusammen mit meinem Enkel gesammelt hatte.


Und beim Schreiben eines neuen Posts entstand in Gedanken so ganz nebenei ein Mandala aus gestrickten Mützen...


Dabei fiel mir auf, dass das Muster einer jeden Mütze für sich allein schon ein Mandala darstellt, spannte die Mützen über einen aus Pappe ausgeschnittenen Kreis. Ja, und mit dem Ergebnis bin ich mehr als zufrieden.


Irgendwie ergibt ja alles im Leben einmal einen Sinn. Deshalb hat es mich damals so schön entspannt, die Wollreste zu diesen 32 Mützchen zu verstricken...


Ich finde eines schöner als das andere. Damit es nicht zu viele Fotos werden, müssen Collagen her. Oje, das sieht schwer nach Mandalaholic aus...






Halt! Genug! Eins noch... nur dies eine noch.... danke.


In der Waschküche fiel mein Blick schließlich noch auf die Hortensie, die ich zum Glück rechtzeitig vor dem Eisregen ins Haus gestellt hatte.

Ich fand, dass Hortensienblüten ein natürliches Mandala darstellen, schnitt eine Blüte ab und fotografierte sie für diesen Mandala-Post.


Der Anfang ist gemacht. Besonders das Legen der Nüsse hatte schon etwas Meditatives.

Vielleicht folgen demnächst weitere Mandalas. Das soll jetzt keine Drohung sein. Aber mich beschleicht das Gefühl, dass aus künstlerischer Sicht nach oben hin noch viel Luft ist.

Vielleicht sollte ich, bevor ich weitermache, Ghislana mal um ihre Meinung fragen; denn sie kennt sich damit aus. 

Und irgendeinen Sinn wird es schon haben, dass mir die Mandalas gerade jetzt quasi gratis durch die herumliegenden 'Materialien' in den Schoß gefallen sind.

Wie sieht es bei Euch aus? Habt Ihr schon mal ein Mandala gelegt? Hat jemand Meditationserfahrung?


All meinen Leserinnen und Lesern wünsche ich eine schöne Woche.

P.S. Übrigens passen die Mützchen den Barbie-Puppen. Sollte es kleine Mädchen geben, die noch damit spielen und Interesse haben, würde ich sie gegen einen Freiumschlag gerne verschenken.

Samstag, 23. Januar 2016

Lost Places mit maroden Schönheiten...

 

Auf der Autofahrt nach Holland sah ich auf der linken Straßenseite durch die kahlen Baumreihen hindurch in der Ferne auf ein Etwas, das ich im Vorbeifahren so auf die Schnelle nicht einzuordnen wußte.


In Denekamp schlenderte ich durch das bekannte Tuincentrum, welches ich seit mindestens 25 Jahren in regelmäßigen Abständen besuche, das im Laufe der Jahre groß, größer, am größten wurde und inzwischen für mich einfach zu groß geworden ist. Deshalb beschränkte ich mich auf den Bereich, wo ich Lenzrosen (Helleborus orientalis) vermutete. Ja, es gab eine Auswahl, neuerdings auch in den Niederlanden mit dem Etikett 'Rose des Frühlings' versehen. An einer, die schon verblüht war und nur noch eine Knospe hatte, war ich interessiert, stellte sie aber wegen ihrer weißen Blätter wieder zurück, weil ich an kalkhaltiges Gießwasser als Ursache dafür nicht so recht glauben mag.

Es blieb deshalb bei einer Mini-Amaryllis aus der Kolibri-Serie, einem passenden Topf dazu und 'Mezenbollen' (Meisenknödeln).

Auf der Rückfahrt bog ich an der oben erwähnten Straße in einen schmalen Weg ein und war ziemlich erstaunt, was ich da rechts und links vor mir sah, wendete an einer Stelle, die dies zuließ, und 'arbeitete' mich fotografierend wieder bis zur Hauptstraße zurück. 

Aber schaut doch selbst, welche Schätze ich auf diesem 'Lost Place' entdeckte.


Das war ja wohl mal eine Mühle...



Dieses Gebäude hat auch schon bessere Zeiten gesehen...


Schwer zu sagen, was darin mal untergebracht war...


Hier nun kommt ein Gebäude, das - was marode Schönheit angeht - eine schöne Straßenansicht hatte. Ich habe die Tore mit den alten Beschlägen einzeln fotografiert, weil sie so schön 'alt' waren.


Es ist fast ein Wunder, dass der Sturm Kyrill die Dachpfannen nicht durch die Luft gewirbelt hat. Sie liegen locker auf dem Dach. Oder vielleicht gerade deshalb (?).


Ob diese alten Gebäude wohl gegen Sturmschäden versichert sind?


Das erste Gebäude ist marode, das zweite maroder, aber bekanntllich gibt es dazu ja noch eine Steigerung, die da heißt am marodesten. Und das Gebäude folgt nun.



Das kann nur ein unverbesserlicher Optimist sein, der es wagt, in dieser Bruchbude sein Fahrzeug unterzustellen.


 Die Spuren beweisen, dass der Trecker noch funktionstüchtig ist.


Aber schön marode sieht es schon aus an diesem 'lost place'.


Ich habe noch viele Detailaufnahmen gemacht. Es würde zu weit führen, sie hier alle zu zeigen, vielleicht bei anderer Gelegenheit. 

Es war noch ein unbewohntes, altes Wohnhaus vorhanden, das wahrscheinlich zu diesen drei Schuppen und der Mühle gehört. 


Auf dem Nachhauseweg kreisten meine Gedanken um diese Gebäude, um die Menschen, die einst darin lebten, geliebt und gelacht haben, in einer Großfamilie glücklich waren und in Verbindung mit der Mühle ein gutes Auskommen hatten. 

Ich stellte mir einen allein zurückgebliebenen, einst angesehenen, alten Müller vor, den der Fortschritt mit den Jahren brotlos gemacht hatte, dessen Kinder in die Stadt gezogen waren, der allein nicht mehr die Kraft und die Mittel hatte, sich um die Instandhaltung der Gebäude zu kümmern, die wahrscheinlich ihren eigentlichen Zweck schon lange nicht mehr erfüllen mußten. 


Plötzlich wurde ich aus meinen Gedanken gerissen mit einem Sonnenuntergang, wie ich ihn selten so schön gesehen habe. Zwei Highlights an einem Tag! Womit habe ich das nur verdient?

Dieser Post geht jetzt mit einem lieben Gruß auf Reisen zu Sigrun.

All meinen Leserinnen und Lesern wünsche ich einen schönenTag.