Montag, 15. August 2016

Happy Birthday...

Nachdenklich und etwas wehmütig sitzt die Oma am Esszimmertisch, packt Geschenke ein, blättert danach in Fotoalben, in Kinderbüchern und liest noch einmal in dem Ordner mit den 'Dienstagsgeschichten'.


Sie beginnen mit 'Baby in Sicht', erzählen vom 15. August 2011, wo gegen Mittag ihr Telefon klingelte und am anderen Ende ihr Sohn – weinend vor Glück – einfach nur sagte: „Mama, der Koten ist da. Alles ist gut.“ Die Geschichten handeln vom ersten Besuch, von der großen Tick-Tack-Uhr, von Enten, Fröschen, Baukränen, Baggern, den ersten Schritten, dem Weihnachtslöwen, von Duplo, vom Bauhof, von der Eisenbahn und von vielen anderen Dingen.

Die Oma hat ihre besonderen Momente mit ihrem Enkel aufgeschrieben, weil sie etwas 'Greifbares' in ihren Händen behalten möchte von dieser kostbaren Zeit, die nach ihrer Meinung viel zu schnell vergeht. Sie hofft auch, dass ihr Enkel eines Tages Lust hat nachzulesen, wie es mit ihm und seiner Oma 'damals' war.

Sie fand es immer schon faszinierend mitzuerleben, wie ein Kind Schritt für Schritt staunend die Welt begreift und sie für sich erobert, hat dies seinerzeit mit ihrem jüngsten Bruder schon erlebt, der mit drei Monaten die Mama verlor und ihr eigenes Kind hätte sein können, mit den drei Wunschkindern, die sie selber gebar, und nun mit ihrem langersehnten Enkel.

Und seit sie in der Bloggerwelt unterwegs ist, gibt es da auch eine Seite mit den Oma-Enkel-Geschichten. In letzter Zeit allerdings wurde es dort ruhig, weil die Oma mal eine Pause brauchte.



Der Enkel beendete kürzlich auf seinen Wunsch hin diese Pause. Sie hatten einen wunderschönen Nachmittag und die Oma kam aus dem Staunen nicht heraus, welche Riesenfortschritte der Junge in der kurzen Zeit gemacht hat.

Er bestimmte den Ablauf des Nachmittags: Kreislehrgarten, Spielplatz 1, Spielplatz 2, Spielplatz 3. Er wusste auch genau, wo es lang geht und wo die Oma parken konnte. 'Nein, Oma', protestierte er von seinem Kindersitz aus, 'das ist mir zu weit, ganz vorne sind immer Plätze frei.' Er hatte Recht.

Und dann wollte er es aber auch wissen: Rückwärts zählen und dabei auf einem Bein von einem Kästchen zum anderen hüpfen, Kletterwand erklimmen ('Oma, das habe ich vorher noch nie geschafft'), mutig von ganz oben an der Stange runterrutschen ('Ich glaube, ich trau mich nicht'), Riesenrutsche mit 'Kieselsteinen-Beschleunigern', Schweinebaumeln mit Abgang und dann Seilbahn. Die Oma musste nur oben das Seil festhalten, damit er es greifen, hochspringen, aufsitzen und mit einem Affenzahn lossausen konnte.

Nie im Leben wird sie vergessen, wie triumphierend, glücklich und stolz der Junge sie jedesmal anstrahlte. Zu gerne hätte sie die Kamera aus der Tasche gezogen. Aber sie wusste, dass sie damit seine Unbefangenheit und Natürlichkeit zerstören würde. Unzählige Male sauste er los und zog das Stahlseil mit dem Sitz wieder zurück auf den Hügel.

Nun war ihr auch klar, dass ein Kind, das sich so auspowert, kein Fett ansetzen kann. Sie staunte nur, woher der Junge mit den dünnen Armen und Beinen die Kraft und die Energie nimmt.

'Oma, ich bin schon für die Schule angemeldet', erzählte er auf der Heimfahrt.
'Freust du dich darauf?'
'Nein'.
'Na, noch bist du ja erst vier, hast ja noch ein bisschen Zeit...“

Sie würde ihm gerne noch zwei Jahre unbeschwerter Kindheit wünschen. Der Ernst des Lebens fängt früh genug an...


Und heute ist nun sein Geburtstag. Er wird fünf Jahre alt, feiert mit seinen Freunden. Die Familie ist Sonntag dran. Aber so lange wird die Oma mit den Geschenken nicht warten.

HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH, lieber Schatz, 
alles Liebe und Gute für Dich und vor allem Gesundheit für Dein neues Lebensjahr! Du weißt ja, wie lieb ich Dich habe: von hier bis zum Mond, vom Mond bis zur Sonne und den ganzen langen Weg wieder zurück. Und das wird auch immer so bleiben. Eine schöne Feier heute und lass Dich mit einem dicken Schmatz ganz fest drücken von Deiner Oma Edith

Kommentare:

  1. Hach, da bekomme ich feuchte Augen... So ein schöner Nachmittag, und wie schön die Oma-Enkel-Zeiten ein bisschen für sich (und den Enkel) aufzuheben. Ja, und immer schwingen auch irgendwie Erinnerungen an schwere Zeiten im Familienleben mit. Sei mir herzlich gegrüßt und dann einen fröhlichen Geburtstagskaffee mit der Enkelfamilie - Ghislana

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  2. Ich kann es nachfühlen und freue mich schon auf den 1. Geburtstag am 6. Januar.
    Man wird ja immer ein bisschen komisch angeguckt, wenn man von seinem Enkel erzählt,
    aber das ist mir egal.
    Ich denke Jede Oma ist so stolz auf ihren Enkel und ich bin es auch, hätte ich niemals gedacht, dass da noch etwas kommt.

    Ich habe am Samstag so einen 1 1/2 jährigen Jungen kennengelernt und er ging mit mir an der Hand und ich freue mich so, wenn ich mit meinem Enkel die Gänse, die Schäfe und vieles mehr hier besuchen kann, wenn wir auf dem Bauch robben und die vielen Sachen anschauen, die es hier gibt.

    Herzlichen Glückwunsch und alles Gute und einen schönen Nachmittag.

    Lieben Gruß Eva

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  3. Och, Liebe Edith, ist das ein süßer Beitrag.

    LG kathrin

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  4. Danke fürs vorbeischauen! Tja, bei mir wird es im Winter soweit sein, mein erstes Enkelkind... ich kanns irgendwie noch gar nicht richtig fassen, Freude riesig!! Fange schon mal zum stricken an :-) Wenn das hier richtig verstehe, vergeht die Zeit beim Enkel noch mal so schnell als bei den eigenen Kindern?! Ich werde jede Minute genießen! Und die Idee mit dem aufschreiben finde ich toll, habs bei den eigenen Kindern versäumt. Danke dafür!
    Liebe Grüße
    Elisabeth

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  5. Das kann ich Dir sehr gut nachfühlen, liebe Edith. Ich hab' ja zeitweilig meine Schwester mit großgezogen und war immer sehr nah an kleinen Kindern dran, später bekam ich drei eigene ... die Zeit vergeht, aber meine haben keine eigenen Kinder im Sinn bzw. bis es vielleicht doch einmal so käme, sind wir vermutlich zu alt, um das noch genießen zu können. Aber es gibt auch viele fremde Kinder, die man beglücken kann, es müssen keine eigenen Enkel sein. Ja, die Zeit vergeht wie im Fluge und ehe man es sich versieht, sind sie groß, wie die eigenen Kinder auch ...

    Liebe Grüße auch hier und alles Liebe und Gute für Deinen Enkelsohn
    Sara

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  6. dein liebevoller Bericht über die Zeit mit deinem Enkelchen berührt sehr..
    und ich wünshce euch noch viele gemeinsame Tage
    liebe Grüße
    Rosi

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