Samstag, 23. Juli 2016

Menschlichkeit - universelle Religion...?

Wir betonen immer wieder, dass wir uns unseren normalen Alltag nicht kaputt machen lassen wollen, dass wir unser Leben weiterleben werden wie bisher.

Aber irgendwie gelingt das dann doch nicht. Kaum hat man das eine Attentat begriffen, gibt es schon wieder neue Schreckensnachrichten, jetzt aus München. Und immer sind es unschuldige Menschen, die es trifft, deren Gesundheit zerstört oder deren Leben sogar abrupt beendet wird. 

Was ist aus unserer Welt geworden? Wie kann man diesen Wahnsinn stoppen?




Um auf andere Gedanken zu kommen, fuhr ich heute ins Gartencenter nach Billerbeck. Okay, die Hallen waren erfüllt von leiser Musik. Aber es herrschte eine unerträgliche Schwüle, so dass sich bei mir keine Lust auf Blumen einstellen wollte. Ich ging, ohne etwas gekauft zu haben, brauchte frische Luft, stellte das Auto auf einem Parkplatz in der Stadt ab und machte einen kleinen Rundgang, zuerst durch die Natur. Dann schlenderte ich mit einem Eis auf der Faust durch die Stadt zurück Richtung Parkplatz.

Die Stadt Billerbeck ist ein staatlich anerkannter Erholungsort. Sie wird als 'Die Perle der Baumberge' bezeichnet und ist darüber hinaus auch als Wallfahrtsort bekannt. Ich kam an der Johanniskirche, dem Ludgerus Dom und dem Ludgerus Brunnen vorbei. 

In der Innenstadt gibt es viele schöne, restaurierte, historische Wohnbauten. Mir gefiel besonders die geschlossene Kirchplatzbebauung im Umkreis der Johanniskirche mit den sogenannten Speicherhäuschen/ Fachwerkbauten. 

Wer Lust hat, darf mich auf meinem Spaziergang begleiten.





Auf einem etwas abseits gelegenen Weg kam mir ein gut gekleideter junger Mann mit fremdländischem Aussehen entgegen. Ich müßte lügen, wenn ich behaupten würde, dass ich locker blieb. Auf gleicher Höhe schauten wir uns in die Augen. Er sagte 'Hallo', ich erwiderte seinen Gruß und schämte mich für mein Mißtrauen. 

Ich habe auch einen Sohn und einen Enkel. Mich hätte interessiert, woher dieser junge Mann kommt, was mit seiner Familie ist, ob und wenn ja, welche Ausbildung er hat, wie es ihm hier bei uns ergeht, ob ihm Hilfe angeboten wurde, ob er sich allein gelassen fühlt, Freunde hat, wie es mit ihm weitergehen soll.

Aber mein ehrliches Interesse, mein Mitgefühl, meine Menschlichkeit werden zerstört durch den Terror von Kriminellen.


 









Überall in der Stadt sprangen mir Türen in die Augen. Warum achtete ich auf einmal auf Türen?







Geschlossen...


 
Zugemauert...


 



Ach ja, hat der Papst nicht das 'JAHR DER BARMHERZIGKEIT' ausgerufen? Barmherzigkeit auf Anordnung, ob das was werden kann?





Mir persönlich würde statt Barmherzigkeit das Wort  Menschlichkeit besser gefallen, Menschlichkeit von innen heraus, aus Überzeugung, von ganzem Herzen, weil wir Menschen und keine wilden Tiere sind, weil wir die Wahl haben zwischen Frieden und Krieg, zwischen Liebe und Hass, zwischen Toleranz und Intoleranz, zwischen Menschlichkeit und Barberei. 



Eine Tür steht offen.  Nun müssen die Menschen nur noch ihre Herzen öffnen. Dann kommen wir der 'Spur des Gelingens' vielleicht etwas näher. Und was können die Fremden tun, um uns zu verstehen, uns unsere Ängste und Zweifel zu nehmen?






'Universelle Religion

Für mich stellen Liebe und Mitgefühl 
eine allgemeine, eine universelle Religion dar.
Man braucht dafür keinen Tempel und keine Kirche,
ja, nicht einmal unbedingt einen Glauben,
wenn man einfach nur versucht,
ein menschliches Wesen zu sein
 mit einem warmen Herzen 
und einem Lächeln, 
das genügt'.

Tenzin Gyatso, Dalai Lama XIV, 1936 








Ganz zum Schluss kurz vor dem Parkplatz sah ich doch noch Blumen, und zwar Stockrosen an einer Hauswand, die mir ein Lächeln ins Gesicht zauberten..



Was bringt Euch auf andere Gedanken? Wie haltet Ihr das aus?





All meinen Leserinnen und Lesern wünsche ich einen schönen Samstagabend.

Kommentare:

  1. Eigentlich war ich ja heute stinkfaul, aber ich bin meine 10 Kilometer gelaufen. Die Hitze hat mir zugesetzt, aber jetzt bin ich froh, dass ich es gemacht habe. Das hat mich doch ganz schön aufgebaut und morgen in der Früh laufe ich nochmals.

    Der Terror man kann nichts dagegen machen. Weißt du früher gab es den 1. und 2. Weltkrieg und auch so manches Böses und das Leben geht weiter. Ich hoffe nur, dass - wenn es mich erwischen sollte - ich gleich tot bin. Das hofft aber Jeder.

    Einen schönen Samstag noch

    LG Eva
    man kann drüber reden, man kann erschüttert sein und noch vieles mehr, aber ändern kann man nichts und ich bin mir sicher, der nächste Anschlag steht schon fest.

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    1. Ich finde und so hat es unser Pfarrer gestern Abend beim Gartenfest auch gesagt. Wir müssen auch nach vorne blicken und dürfen uns durch diese Schreckensgeschichten nicht entmutigen lassen. Wir müssen auch weiterhin ohne Angst auf die Straße gehen. So sehe ich es auch, auch wenn ich nicht ständig drüber rede oder schreibe, ich bin auch traurig aber ich kann dieserhalb nicht mein ganzes Leben ändern und mich verkriechen.

      LG Eva

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  2. Hallo Edith,
    vielen Dank für diesen schönen Beitrag zum Thema 'Menschlichkeit'. Menschen können liebevoll, aber auch grausam sein.
    Gerne habe ich Dich auf dem Spaziergang durch Billerbeck begleitet. Deine Aufnahmen strahlen so viel Ruhe aus, dass ich für kurze Zeit den Alltag vergessen konnte. Auch ich habe mich an den blühenden Stockrosen erfreut.
    Ich wünsche Dir ein schönes Wochenende.
    Liebe Grüße von Ingrid

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  3. Hallo Edith,
    Deinen Kommentar fand ich u.a. bei Monika's letzten Post... Ich war gespannt Dich beziehungsweise Deinen Blog zu lesen!

    Einen Ort für die verwundete Seele zu finden tut wirklich Not. Es gehen die Katastrophen so Schlag auf Schlag ineinander über, dass die Tapferkeit, das Durchalten im Alltag immer schwieriger werden. So ist heuer der Mut gefragt! Ein Schwerpunkt zum 8. August, dem hohen Friedensfest in Augsburg. Unter diesem Motto laufen begleitende Programme.

    Mit sonnigen Grüßen, Heidrun

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  4. Hola liebe Edith,

    einmal herzlich Willkommen bei dem T in die neue Woche und ich freue mich sehr dass du geschaut, fotografiert und mitgemachst hast. Danke dir dafür.

    Sehr gerne habe ich dich begleitet, und noch nie von Billerbeck gehört habe ich doch zuerst mal gegoogelt, Bilder angeschaut und bei Wiki gelesen. Scheint eine wirklich schöne Stadt zu sein und du hast tolle Impressionen von dort mitgebracht. Viele schöne T’s gefunden, frage ich mich dann immer sogleich was sie uns wohl erzählen würden wenn sie sprechen könnten.

    Mit der Schwüle im Gartencenter glaube ich dir gerne, bei einer Hitze lässt es sich durch die Feuchtigkeit schon schwer aushalten. Von daher hast du alles richtig gemacht.

    Ich sehe es wie Eva, Terror, dieses Machtgehabe und Kriege hat es schon immer gegeben, da braucht man nur an die Anfangsgeschichte zurückzublicken. Leider kann man nur sagen. Für mich auch unverständlich warum die Menschen nicht in Frieden leben können. Nicht nur das die Natur missbraucht wird, auch die Menschen vergiften sich. Da reicht ja auch leider schon oft ein Blick über den Nachbarszaun (ich hier Gott sei Dank nicht). Wir sind leider machtlos, wir können trauern, hoffen und vor allem uns nicht nur noch misstrauisch anderen Menschen gegenüber werden lassen.

    Genau das ist nämlich in meinen Augen ein Ziel, gerade was die momentane Flüchtlinge angeht...schön das Feuer schüren damit diese Terrorzellen noch mehr Macht über den Menschen bekommen.

    Nochmal ein herzliches Dankeschön für deinen schönen Post. Wünsche dir nun noch einen schönen, enstpannten, friedvollen sowie sonnigen Sonntag und sende viele Grüsse

    N☼va

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  5. Was für ein umfangreicher Beitrag! Die Türen sind allemal Unikate und gefallen mir echt gut.
    Als Blumenfreundin war ich auch sehr beeindruckt, was für tolle Blumen du gezeigt hast! Respekt!

    Liebe Grüße :-)

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  6. sehr schön dein Spaziergang..
    eerfrischende Bilder mit Wald und Wasser..
    und die schönen Türen.. ;)
    ja.. es braucht schon etwas mehr um wieder zum "normalen" Alltag zurück zu kommen..

    es wird viel von der Menschlichkeit gereded..doch was ist menschlich.. im Mensch steckt leider auch eine dunkle Seite .. auch die ist menschlich.. Hass Neid Missgunst Misstrauen..alles menschlich..
    von daher ist mir die Barmherzigkeit eigentlich lieber.. oder die Mitmenschlichkeit
    aber noch höher steht die Liebe..aber die echte.. und zwar zu allen Individuen..
    was man liebt kann man nicht umbringen..
    das Gebot.. liebe deinen Nächsten wie dich selber zeigt den Weg..
    das Schlimme am Terror ist dass es das Misstrauen mitten in unsere Herzen setzt.. ja.. ist der dunkelhäutig Typ der mir da entgegen kommt harmlos..oder führt er etwas im Schilde??
    Es vergiftet uns un d wir müssen aufpassen dass es nicht überhand nimmt..
    Ok ..früher gab es Kriege.. die waren an der "Front" wenigstens erst mal und im Hinterland wurde das noch gefeiert bis der Schrecken sich ausbreitete..aber es traf die Menschen selten ohne Vorwarnung
    Terror schläg überall zu...mitten im Frieden.. ohne Vorankündigung..das verunsichert uns und wir stellen meist unbewusst unser Leben doch darauf ein..
    wir können wirklich nur versuchen so weiter machen wie wir es gewohnt sind
    und unsere Herzen nicht verhärten
    liebe Grüße und einen schönen Sonntag
    Rosi

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    1. Danke, liebe Rosi, für Deinen Kommentar und Deine wertvollen Gedanken.
      Du schreibst '... die Liebe, aber die echte..' Und ich meine die Menschlichkeit, aber die echte... Wichtig ist, dass wir uns überhaupt Gedanken machen, jeder auf seine eigene Art. Schon immer haben sich Dichter und Denker mit diesem Thema beschäftigt. Ich habe darüber so viel nachgelesen und einen Satz gefunden, mit dem ich schließen möchte, der da lautet: ' Humanismus ist der Glaube daran, dass alle Menschen, die dies wirklich wollen, in Frieden miteinander leben können'. Wie auch im Privaten, möchte ich Harmonie und Frieden...
      Dir auch einen schönen Sonntag und liebe Grüße von Edith

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  7. ....ein erholsamer Spaziergang war das jetzt - und die Worte des Dalai Lama XIV würden alle "Kirchen" der Welt entweder vereinen oder ÜBERFLÜSSIG machen!!!
    Gute neue Woche,
    Luis

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  8. Das, lieber Luis, habe ich auch gedacht. Vereinen wird aber wohl kaum möglich sein und überflüssig sind die Religionen auch nicht. Aber die 'Universelle - die ganze Welt umfassende - Religion' sollte das Erste und Oberste Gebot aller Religionen und auch für Atheisten sein, bei der Menschlichkeit und Friede auf der ganzen Welt an oberster Stelle stehen sollte. Nur ein Traum?
    Danke für den Kommentar und liebe Grüße, Edith

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  9. das ist ein sehr schöner Beitrag

    lg gabi

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  10. Dein Beitrag ließ mich über die wundervollen Bilder staunen, hat mir viel an Information gebracht und trotzdem möchte ich mich dafür entschuldigen, dass ich nicht explizit auf das Thema eingehe. Mir fehlt einfach die Zeit, lange Abhandlungen zu schreiben.
    Danke noch für Deinen Besuch.

    Liebe Grüße und einen guten Start in die neue Woche.
    Elisabetta

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  11. Liebe Edith, vielen herzlichen Dank für Deine lieben Worte zu meinem letzten Beitrag. Jeder sieht das bestimmt anders, aber ich finde, Berg- und Talfahrten sind nicht so schlimm. Die Straßen sind ja gut ausgebaut. :)

    Vielen Dank für's Mitnehmen nach Billerbeck.

    lg kathrin

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  12. Liebe Edith,
    habe erst jetzt deinen Blog zur Menschlichkeit gelesen, der mir gut gefallen hat. Schade, dass du den jungen Mann nicht spontan angesprochen hast......Er hätte sich gefreut...Du hättest etwas erfahren....,wenn man miteinander spricht kommt man sich näher, auch sie haben Mütter, die weit weg sind und beide haben Sehnsucht .........
    L.G. Agnes



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    1. Ich weiß nicht, liebe Agnes, ob es eine gute Idee gewesen wäre, als Frau einen jungen Mann aus einem völlig anderen Kulturkreis außerhalb der Stadt anzusprechen. Selbst hier in Europa kann das schon zu Mißverständnissen mit Folgen führen. Das habe ich selbst einmal in Süditalien erlebt, als ich in einer bewachten Freizeitanlage morgens allein meine Runden im Pool drehte. Ich hatte Glück, dass im richtigen Moment mein Retter erschien...
      LG Edith

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