Samstag, 9. Januar 2016

Der 'Junge von Bad Pyrmont'


Immer mal wieder fragte ich mich, wo eigentlich mein 'Junge von Bad Pyrmont' geblieben ist. Bei meinen Rundgängen durch den Garten hatte ich ihn schon lange nicht mehr gesehen.
  

Als ich gestern morgen nach meinen Lenzrosen schaute, wissen wollte, ob sie den Eisregen unbeschadet überstanden haben (ja, haben sie), fiel es mir wieder ein. Er stand sonst immer, umgeben vom Riesenschleierkraut, auf dem Hochbeet vor dem Durchgang zu meinem Pfingstrosengarten. Da war er aber nicht mehr. Das Schleierkraut hatte sich aus unerklärlichen Gründen davon geschlichen. Den Platz hat nunmehr das Große Immergrün mit dem panaschierten Blatt (Vinca major variegata) erobert. 


Ich durchwühlte den ganzen Wirrwarr auf dem Hochbeet, der sich bis in den Zwischenraum zwischen Hochbeet und Sichtschutz erstreckte. Und da stieß meine Hand plötzlich auf etwas mir sehr Vertrautes. Ich schob das Blattwerk beiseite und dann fiel es mir auch wieder ein. 


Als ich meinen Flieder in seiner unschönen Altersform roden mußte, dieser Arbeit auch die riesige Clematis montana auf dem Hochbeet zum Opfer fiel, hatte ich diese Figur vorsichtshalber in dieser Spalte in Sicherheit gebracht. Sie wurde überwuchert vom Immergrün und geriet schließlich in Vergessenheit. Umso mehr freute ich mich darüber, dass sie nun unversehrt und in alter Frische wieder aufgetaucht war.


Na ja, von Unversehrtheit zu sprechen, trifft nicht ganz zu. Der Zahn der Zeit hat schon kräftig daran genagt, besonders am Kopf und an den Armen, kein Wunder bei dem Alter...



Vor reichlich 20 Jahren war ich zur Kur in Bad Pyrmont. Dorothea, eine sportliche Frau, die in der Nähe von Stuttgart zu Hause war, nahm mich vom ersten Tag an unter ihre Fittiche mit den Worten 'wir bleiben zu zweit, jeder Dritte stört'. Jeden Abend schlief ich um 20 Uhr schon fast auf der Bettkante ein, weil sie nach den zahlreichen Anwendungen ganz Bad Pyrmont und Umgebung mit mir  erwanderte und sich für 6 Uhr morgens schon wieder zum Schwimmen verabredete. Sie hatte Diabetes und schaffte es innerhalb von 4 Wochen, durch Bewegung und entsprechende Ernährung von den Tabletten wegzukommen. Und ich wurde fit wie ein Turnschuh und hatte danach meine Teenagerfigur zurück.


Bei einer unserer Wanderungen sah ich in einem Nachbarort diesen kleinen Jungen. Ich hatte mich vom ersten Augenblick an in ihn verliebt. Aber der Preis und das Gewicht von einigen Kilos hielten mich vom Kauf ab. Wir waren noch einige Male dort, nur um zu schauen, ob er noch da war. Und als meine Tochter mich abholte, fuhr ich mit ihr diesen Umweg und nahm den Jungen als kleinen 'Kurschatten' zu mir mit nach Hause. Mein stressiger Alltag holte mich schnell wieder ein. So versäumte ich es, ihm einen Namen zu geben. Mit einem von mir verliehenen Adelsprädikat vor dem Nachnamen hat er aber keinen Grund sich zu beklagen, finde ich.



Er stand ab da rund ums Jahr  auf dem Hochbeet in meinem Garten. Und als ich irgendwann bemerkte, dass er wohl nicht absolut wetterfest und wintertauglich ist, war es bereits zu spät. Deshalb entschied ich, dass die Natur ihren Lauf nehmen sollte. Und ich finde, trotz seines Alters und der Blessuren hat er von seinem Charme nichts eingebüßt. 

Start: jeden 1. Samstag im Monat . Spätere Beiträge kann man hier ein Monat lang noch eintragen :-)

Und als ich ihn gestern fotografierte und mir der Gedanke kam, einen Post darüber zu schreiben, wußte ich sofort,  dass dieser als mein Debüt zu Juttas KREATIV IM RENTNERDASEIN 'Marode Schönheiten' auf die Reise gehen sollte. Immer wieder wollte ich schon mal am Natur-Donnerstag teilnehmen, zweifelte dann aber, ob mein Beitrag passen würde. Aber jetzt - oder nie!



Liebe Jutta, ich schaue schon lange bei Dir rein und würde mich freuen, dieses 'Produkt meiner Art des Kreativseins im Rentnerdasein' mit Deinem Blog verlinken zu dürfen.
All meinen Leserinnen und Lesern wünsche ich einen schönen Tag.

Kommentare:

  1. Hallo Edith,
    ich war ebenfalls in Bad Pyrmont zur Kur. Das ist schon mindestens 12 Jahre her. Auch ich kam fit nach Hause.
    Der Junge sieht sehr mitgenommen aus. Schade, dass er langsam zerfällt und damit die schöne Erinnerung verschwindet.
    Das panschierte Vinca sieht toll aus. Die blauen Blüten heben sich gut vom weiß-grünen Laub ab. Meine Vincas blühen nicht so üppig und stellenweise habe ich sie gerodet, weil sie überall zu wuchern begannen. Allerdings sind es Sorten mit einfachen, grünen Laub.
    Ich wünsche Dir ein schönes Wochenende.
    Liebe Grüße von Ingrid

    AntwortenLöschen
  2. Hallo Edith,
    es ist schön, so einen Schatz zu haben, der mit offensichtlich vielen netten, heiteren Erinnerungen verbunden ist. Wie gut, dass du ihn wiedergefunden hast!
    Liebe Grüße
    Katharina

    AntwortenLöschen
  3. Ach, wie schön, dass du ihn noch wieder gefunden hast. Deinen kleinen charmanten "Kurschatten" ;-))). Er macht sich im Vinca major sehr gut.
    Viele liebe Grüße
    Ursula

    AntwortenLöschen
  4. Hallo Edith, ganz zauberhaft dein kleiner "Kurschatten"! Nach deiner Begegnung sollte es einfach so sein, dass er auf dich wartete, um zusammen mit den schönen Erinnerungen in deinen Garten einziehen zu dürfen.;-) Das panaschierte Vinca passt toll dazu.
    LG Marita

    AntwortenLöschen
  5. Was für eine schöne Geschichte... Und wie ich verstehen kann, dass du dich verliebt hast... Vinca major habe ich auch im Garten. Die grüne Form ist unverwüstlich und hat sich wunderbar ausgebreitet, die panaschierte ziert sich noch, mal schauen, ob sie sich eingewöhnt... Lieben Gruß Ghislana

    AntwortenLöschen
  6. Aber klar kannst du diesen schönen Post bei den " Maroden Schönheiten " verlinken.
    Diese kleine Statue ist doch ein perfektes Beispiel dafür, ich freue mich sehr, dass du mit von der Partie bist.
    So, und nun suche ich mir das Foto zum Verlinken heraus und werde es gleich einsetzten.Toll wäre noch, wenn du einen Backlink zu meinem Blog setzen würdest ;-)
    Liebe Grüße
    Jutta

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Entschuldige bitte, falls du das nicht kannst, dann bin ich so auch zufrieden, die Hauptsache die Leser wissen, wo mein Projekt zu finden ist .
      nochmals liebe Grüße und einen gemütlichen Abend
      Jutta

      Löschen
  7. Wie ich gerade entdeckt habe, hat dein kleiner Junge auch noch eine schwarze Lenzrose zu Füßen. Diese L. hätte ich gerne noch mal näher betrachtet, ich mag auch schw. Lenzrosen neben weißen stehen haben. Halte diesen Jungen in Ehren, er ist doch eine schöne Erinnerung. Danke für´s Zeigen.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Danke für den Kommentar, liebe(r) Anonym. Ja, da hast Du richtig hingeschaut. Ich habe nicht damit gerechnet, dass jemand die Lenzrose entdeckt. An drei verschiedenen Stellen in meinem Garten wachsen diese ganz dunklen Lenzrosen. Sie sehen mit ihren weißen Staubgefäßen wirklich toll aus. Es folgen noch mehrere Lenzrosen-Posts. Natürlich wird es auch eine Nahaufnahme von dieser geben. Schau mal bei mir unter Lieblingspflanzen. Ich glaube, da sind auch schon Fotos von dieser Helleborus. Ach, weißt Du was? Damit Du nicht so lange warten mußt, veröffentliche ich gleich mal zwei Fotos, die ich gestern gemacht habe, auf Google. Schau einfach unter meinem Namen. Liebe Grüße Edith.

      Löschen
    2. Mein Name ist
      Ilona aus Süd.-D
      Habe leider vergessen, meinen Namen zu schreiben, Entschuldigung und vielen Dank für die Antwort
      Ebenfalls liebe Grüße Ilona (Garten- Blumenfreundin)

      Löschen
  8. Gerade weil sich die Figur schon auflöst, geht von ihr ein ganz besonderer Reiz aus. Schön, dass Du sie wieder gefunden hast.

    LG kathrin

    AntwortenLöschen
  9. Liebe Edith,
    wahrlich eine marode Schönheit dein kleiner Kurschatten! Hätte ich ihn damals gesehen, wär der bestimmt auch in meinem Garten gelandet. In Bad Pyrmont bin ich auch schon zur Kur gewesen. Ist der Kurpark mit seinem Palmengarten nicht herrlich? Ich war damals begeistert. Ein sehr schöner Post zum Thema 'Marode Schönheiten', ich muß eigentlich auch mal wieder an Juttas Aktion teilnehmen...
    LG Kathinka

    AntwortenLöschen
  10. Ein ganz besonderer Kurschatten...und toll, dass du ihn so plötzlich wiedergefunden hast. Das sind ja ganz besondere Erinnerungen, die damit verbunden sind.
    LG Sigrun

    AntwortenLöschen
  11. Hallo Edith,
    wenn dieser Junge nicht zu den maroden Schönheiten passt, dann weiß ich´s auch nicht!
    Das anmutige Kerlchen ist doch ein kleiner Adonis, oder etwa nicht?
    LG Heidi

    AntwortenLöschen
  12. Eine schöne Geschichte, liebe Edith. Ich bin gespannt ob auch ich eines Tages mal einer Figur begegne, bei der es zwischen uns funkt. Ich halte schon lange Ausschau. Neulich auf dem kleinen Friedhof, da hatte ich mich gleich in die beiden Engel verguckt, aber die konnte ich ja nicht adoptieren *zwinker*.

    Musste lachen, als ich von deinem treibenden Weihnachtsbaum gelesen habe. Hast du ihn dann im Garten eingepflanzt?

    ∗♥∗☆❄★❄☆∗♥∗
    Herzlich grüßt
    Uschi

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Liebe Uschi, wenn es doch mal funkt, Desinteresse vortäuschen. Dann kommst Du eher ans Ziel. Ja, ich war mal auf einem Friedhof, da hockte ein kleiner Mandolinenspieler am Grab. Der war so süß. Ich war noch öfter da, konnte ihn aber nicht mehr finden. Und den Weihnachtsbaum habe ich nicht ausgepflanzt. Der hatte nur neue Triebe bekommen, aber keine Wurzeln geschlagen. Liebe Grüße Edith

      Löschen