Freitag, 18. Dezember 2015

Weshalb ich beim Backen einer Eierlikörtorte...
  
Alte Winterlinde (Naturdenkmal) neben der Kapelle auf dem Schöppinger Berg, gepflanzt 1718
immer mal wieder an eine alte Linde und an einen älteren Herrn denken muss.

Kapelle auf dem Schöppinger Berg, 1718 erbaut
So bin ich nun eben. Mein Kopf ist voll mit Geschichten und Begebenheiten. Von Natur aus ein kontaktfreudiger Mensch, hatte ich es beruflich besonders gern mit Publikum und jungen Menschen zu tun.

Sogenannte 'Kleine Linde' in Wessum
Das Rezept für die Eierlikörtorte ist schon seit zwei Jahrzehnten in meinem Besitz. Auf der Beliebtheitsscala steht es bei uns aber immer noch ganz weit oben.

Inschrift wie folgt:

'Das Erste, das der Mensch im Leben vorfindet,
das Letzte, wonach er die Hand ausstreckt,
das Kostbarste, was er im Leben besitzt,
ist die Familie'.

Ich bekam es seinerzeit von einer Arbeitskollegin mit einem Stück dieser Torte geschenkt. Das entsprach so ganz ihrer lieben Art.

Abbildung einer glücklichen Familie, Inschrift siehe oben
Zwischen jungen Leuten, die mir zur Ausbildung zugeteilt wurden, habe ich nie einen Unterschied gemacht. Weil ich aber auch nur ein Mensch bin, gab es da schon einige, die mir besonders ans Herz gewachsen waren.

Die zwei dicken Linden auf dem Averesch  in Wessum mit Bildstock
Dazu gehörte unter anderem diese junge Frau. Sie stammte von einem großen Hof, der seit Generationen im Familienbesitz war. Derartige Höfe unterliegen der Höfeordnung. Das bedeutet, dass ein Kind zum Hoferben bestimmt wird. Die Geschwister bekommen eine gute Schul- und Berufsausbildung, dürfen ihr selbstverdientes Geld sparen, erhalten auf dem Hof freie Kost und Logis bis zur Verheiratung und gelten damit im allgemeinen als abgefunden. Damit soll vermieden werden, dass der Hof durch die Auszahlung von Erbteilen und den dadurch notwendigen Verkauf von Ländereien verkleinert wird. Andererseits sind die Kinder ganz selbstverständlich zur Mithilfe auf dem Hof verpflichtet.

Linden auf dem Averesch in Wessum, Alter ca. 250 Jahre, Naturdenkmäler
Es kam also oft genug vor, dass meine Kollegin nach der Arbeit vor allem in der Erntezeit bis spät abends zu Hause mithalf. Das wurde von ihr auch nie in Frage gestellt.

Linden auf dem Averesch in Wessum
Bildstock aus dem 18. Jahrhundert (Sandsteinrelief Gottesmutter mit Jesuskind)
Eines Tages erzählte sie mir, dass ihr Großvater am Vorabend die Familie zusammengetrommelt habe, um die Hofübergabe an seinen Nachfolger zu verkünden. Eine einzige Auflage nur habe er dem Übertragsnehmer gemacht, die da war: Nie dürfe jemals die alte Linde, die seit Generationen mitten auf dem Hofplatz steht, wegen irgendwelcher Bauvorhaben oder sonstiger Veränderungen gefällt werden. Dies sollte auch für nachfolgende Generationen bindend sein.


1.000-jährige 'Dicke Linde'/ 'Tanzlinde' auf dem Asbecker Lindenweg in Legden-Asbeck, Naturdenkmal
Ich bin diesem alten Herrn nie persönlich begegnet. Dass ihm das Wohl dieses alten Hausbaumes so sehr am Herzen lag, beeindruckte mich zutiefst, so dass ich beim Backen dieser Torte immer mal wieder an ihn denken muss.


'Tanzlinde' in Legden-Asbeck, 1.000 Jahre alt
Ich habe recherchiert und mich ein bißchen schlau gemacht. Danach wurde die Linde schon bei den Germanen als 'Heiliger Baum' verehrt und es war in ganz Mitteleuropa üblich, dass im Zentrum eines jeden Ortes eine 'Dorflinde' stand. Auch war es Brauch, nach Kriegen sogenannte 'Friedenslinden' zu pflanzen.

Bildstock an der 1.000-jährigen 'Tanzlinde'
Welche genaue Bewandtnis es mit dieser Linde auf sich hatte, entzieht sich meiner Kenntnis, vielleicht war es einfach nur Respekt gegenüber den Vorfahren.

Stammhälfte der durch einen Blitz zweigeteilten 'Tanzlinde' in Asbeck
Das zur Linde 
 
 
und nun das Rezept der Eierlikörtorte:

60 g Butter
80 g Zucker
5 Eigelb
2 Esslöffel Rum
1 Glas Eierlikör

Alle Zutaten in eine Schüssel geben und so lange rühren,
bis eine cremige Masse entsteht.

Anschließend
200 g Nüsse grob mahlen,
100 g Blockschokolade in kleine Stücke schneiden und
1 Teelöffel Backpulver unter die cremige Masse heben.

Danach
5 Eiweiß mit 20 g Zucker steif schlagen und noch unter
den Teig heben.

Bei etwa  180 Grad ca. 40 Minuten backen und auskühlen lassen.



Den Kuchen dünn mit geschlagener Sahne (1 Sahnesteif, 1 P. Vanillin Zucker) bestreichen. Den Rand des Kuchens mit Sahnetupfern  dicht aneinander verzieren. Eierlikör mit einem Löffel dünn auf der Mitte der Torte verteilen.
Auf jeden 2. Sahnetupfer eine rote Belegkirsche legen.
Ich nehme dafür lieber Amarenakirschen.
Es schmeckt und geht auch ohne,
wie man hier sieht.

Einen Tag durchziehen lassen.
Guten Appetit!



All meinen Leserinnen und Lesern wünsche ich einen schönen 04. Advent mit liebenswerten Menschen oder als Trost ein Stück leckeren Kuchen. Es muß ja nicht unbedingt Eierlikörtorte sein.

Kommentare:

  1. Ohne es zu ahnen, liebe Edith, hast Du mich mit Deinem schönen Post tief berührt. Unsere Stadt wird 2020 Landesgartenstadt. Um aufzuräumen, hat das Grünflächenamt eine Lindenallee gefällt, die direkt durch die ganze Stadt verlief. Auf den wenigen Fotos meines Großvater waren sie schon zu sehen, jetzt sind sie weg. Es ist zum Heulen. Angeblich waren die Bäume krank.. wer's glaubt! Bitte entschuldige, aber manchmal gehen die Pferde mit mir durch.. grins verlegen! Dir einen feinen vierten Advent, Nicole

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  2. Mir, liebe Nicole, wurde mal gesagt, dass Privatleute in ihrem Garten keine Bäume fällen dürfen, deren Stamm einen Durchmesser von mehr als 30 cm hat. Wenn das stimmt, frage ich mich, weshalb sich Ämter einfach darüber hinwegsetzen und ganze Alleen fällen dürfen mit Linden, die 10 Generationen und mehr überleben können. Auch in meiner Stadt gab es eine Lindenstraße mit der Gaststätte 'Zur Lindenwirtin', alles weg, Straße umbenannt, Gebäude abgerissen. Es hat schon seinen Grund, weshalb ich solche 'Geschichten' aufschreibe, einfach festhalten möchte. Übrigens freue ich mich sehr, dass Du meinen Blog gefunden hast. Edith

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  3. Hallo Edith,
    wow, die Tanzlinde ist ein wunderschöner Baum und unbedingt wert, erhalten zu werden. Ich mag Bilder von Bäumen. Besonders vor dem blauen Himmel sind sie schön anzuschauen.
    Vielleicht backe ich die Torte einmal nach Deinem Rezept nach. Ich hab ein ähnliches Rezept und wir lieben Eierlikörtorten.
    Jetzt freue ich mich auf Deine nächste Geschichte. Bestimmt wird sie wieder sehr interessant werden.
    Liebe Grüße von Ingrid

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  4. Ich glaube, ich habe das gleiche Rezept, aber schon ewig nicht mehr gebacken. Ich bin hier leider die Einzige, die Eierlikörtorte mag.
    Bei uns wurde heute vorne an der Straße eine Linde gefällt. Aber sie war wohl wirklich krank, war schon seit Sommer markiert.

    Viele Grüße
    Margrit

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  5. Die Fotos von der Linde sind schön. Es sind zwei, oder? Vielen Dank für das Rezept.

    LG kathrin

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  6. Liebe Edith,
    endlich schaffe ich es mal, mich für deine Kommentare beim Alltagbunt zu bedanken und dir einen Gegenbesuch abzustatten.
    Schöne Bilder und eine anrührende Geschichte, die du da aufgeschrieben hast. Alte Bäume haben wirklich etwas Mystisches und eine besondere Anziehungskraft. Was mögen sie schon alles gesehen haben...
    Claudiagruß

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  7. Liebe Edith,
    die Eierlikörtorte gehört auch zu meinen Lieblingstorten. Meine Mama bäckt sie immer. Ich selber habe sie noch nie gemacht. Nun hab ich ja das Rezept und werde sie ganz bestimmt auch mal ausprobieren ;)!
    Ganz liebe Grüße und ein schönes Wochenende,
    Christine

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  8. Die gespaltene 1000jährige Linde ist wirklich ein beeindruckendes Exemplar! In Hannover-Linden stand auch eine sehr alte äußerst imposante Linde, sie mußte vor ein paar Jahren gefällt werden. Es heißt, durch Hundeurin und -kot sei sie pilzbefallen, stark geschwächt und nicht mehr zu retten gewesen. Jetzt wurde eine neue gepflanzt und mit Hundegitter geschützt. Ich liebe Eierlikör und ich liebe Torten. Die Kombination ist das Höchste. Bisher hat mich meine Tochter mit Eierlikörtorten verwöhnt. Aber ich denke, das Rezept probiere ich mal aus, es hört sich sehr, sehr lecker an.
    Einen schönen 4. Advent und
    LG Kathinka

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  9. Ganz begeistert habe ich jetzt deine Baumgeschichten von Donnerstag und Freitag gelesen. Es ist so schön solche alten Exemplare aufzuspüren und auch die Menschen dazu, die mit ihnen verbunden sind. Ich freue mich mit dir mit über diese Erlebnisse! Lieben Gruß Ghislana

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  10. Liebste Edith,
    danke für diese schöne Geschichte und die so beruhigenden Bilder. Genau das brauche ich im Moment, kleine Geschichten und Bilder in die man sich hineinfallen lassen kann. Ich danke dir dafür. Eierlikörtorte mag ich auch sehr, sehr gerne und backe sie auch öfters. Linden haben mich auch schon immer fasziniert, gerade weil sie früher in jedem Dorf so eine wichtige Rolle spielten. Aber ich habe auch insgesamt einen Faible für Bäume im allgemeinen..lächel...
    Von Herzen Liebste Grüße Sandra

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