Mittwoch, 30. Dezember 2015

Als wir noch keinen Fernseher hatten,

saß unsere Familie abends oft gemütlich beisammen. Mutti war mit Handarbeiten beschäftigt. Papa spielte Mundharmonika. Und meine jüngere Schwester und ich sangen dazu. Es waren Lieder, die wir von der Schule her kannten oder oft auch die Lieder unserer Eltern. 

Unser 'Liederabend' endete immer mit einem Lied, das Papa nur für Mutti spielte. Und jedesmal war sie zu Tränen gerührt, wischte sich unauffällig über die Wangen und atmete einmal tief durch. 'Mädchen, meine Seele, bald verlaß' ich dich...' Das Lied hatte mit dem Abschiednehmen vor dem Krieg zu tun. Aber das ist eine andere Geschichte.

'Am Brunnen vor dem Tore, da steht ein Lindenbaum' gehörte auch zu unserem Repertoire. Das fiel mir kürzlich wieder ein, als ich mich für meinen 'Eierlikörtortenpost' auf die Suche nach einer alten Linde begab. Wenn ich etwas mache, dann mache ich es gründlich. Ich fand mehrere alte Linden und sogar noch eine uralte 1.000-jährige Linde.

Und diese Linden stelle ich jetzt hier vor:


Diese Winterlinde steht seit fast 300 Jahren neben der 1718 erbauten Prozessionskapelle auf dem Schöppinger Berg. Sie erhielt die Bezeichnung 'Naturdenkmal'.

Ich machte die Fotos am 26.11.15 am späten Vormittag.


Bei dieser Linde handelt es sich um die sogenannte 'Kleine Linde'. Der Weg von Wessum zu den beiden alten Linden in der Bauerschaft Averesch führt an dieser Linde vorbei. Abgebildet auf dem Relief ist eine glückliche Familie passend zu dem in Stein gemeißelten Spruch, der da lautet:

Das Erste, das der Mensch im Leben vorfindet,
das Letzte, wonach er die Hand ausstreckt,
das Kostbarste, was er im Leben besitzt,
ist die Familie.

Ich machte die Fotos am Nachmittag des 09.12.21015.


Und dies nun sind die beiden dicken Linden in der Bauerschaft Averesch bei Wessum. Sie sind Naturdenkmäler. Das Alter wird geschätzt auf 250 Jahre. Auf einigen Fotos verdeckt die eine Linde die andere. Was mich sehr beeindruckt hat, sind die dicken Stämme und (auch bei der 'Kleinen Linde') die weit ausladenden oft fast waagerecht stehenden Zweige.


Wie Ihr sehen könnt, stehen drei jüngere Bäume daneben. Weshalb insoweit immer nur von zwei Linden gesprochen wird, weiß ich nicht. Vielleicht handelt es sich bei einem der Bäume nicht um eine Linde. Das kann ich mir aber eigentlich gar nicht vorstellen.


Der Bildstock, ein Sandsteinrelief mit Gottesmutter und Jesuskind, stammt aus dem 18. Jahrhundert.

Sämtliche Fotos entstanden am frühen Nachmittag des 09.12.2015


'Der Lindenbaum'
Text: Wilhelm Müller
Vertont von: Franz Schubert
Musik. Bearb.: Friedrich Silcher
Volkslied mit dem Titel:
Am Brunnen vor dem Tore

Am Brunnen vor dem Tore,
Da steht ein Lindenbaum:
Ich träumt’ in seinem Schatten
So manchen süßen Traum.

Ich schnitt in seine Rinde
So manches liebe Wort.
Es zog in Freud und Leide
Zu ihm mich immer fort.

Ich mußt’ auch heute wandern
Vorbei in tiefer Nacht,
Da hab’ ich noch im Dunkel
Die Augen zugemacht.

Und seine Zweige rauschten,
Als riefen sie mir zu:
Komm her zu mir, Geselle,
Hier findst Du Deine Ruh’!

Die kalten Winde bliesen
Mir grad’ ins Angesicht;
Der Hut flog mir vom Kopfe,
Ich wendete mich nicht.

Nun bin ich manche Stunde
Entfernt von jenem Ort,
Und immer hör’ ich’s rauschen:
Du fändest Ruhe dort.


Ja, und hier ist es nun, das Naturdenkmal, die 1.000-jährige 'Dicke Linde', auch 'Tanzlinde' genannt, auf dem Asbecker Lindenweg in Legden-Asbeck. Sie ist, weil sie von Wohnhäusern umgeben ist, schlecht zu fotografieren. Wenn sie im Sommer voll im Laub steht, gibt es sicher bessere Fotos.

Meine Fotos wurden am 26.11.2015 in der Mittagszeit gemacht.


Ich habe gelesen, dass diese Linde durch einen Blitzschlag zweigeteilt wurde. Hier sieht man die Eisenstreben, mit denen sie zusammengehalten wird.


Obige Fotos entstanden im Sommer 2015 in Nordhorn. Da gibt es eine ganze Straße mit jungen Linden. Auf sie aufmerksam wurde ich durch den Duft, den sie verströmten und der mich an meine Kindheit erinnerte.

Und damit hake ich nun auch das Thema 'Linden' vorerst einmal ab. Vielleicht schaue ich mir die Bäume im Sommer noch einmal an. Mich würde interessieren, wie sie aussehen, wenn sie voll im Laub stehen.
All meinen Leserinnen und Lesern wünsche ich einen guten Rutsch ins Neue Jahr.

Kommentare:

  1. Liebe Edith, was für ein schöner Linden-Post. Die Geschichte aus deiner Kindheit mag ich sehr. Was waren das noch für Zeiten, in denen in Familien gesungen wurde. Auch ich habe es noch erlebt in meiner Familie. Gemeinsam singen, vorlesen, gemeinsam spazieren gehen... Das Singen kommt langsam wieder... Am Brunnen vor dem Tore gehört zu meinen Lieblingsliedern. Auch im Chor haben wir es oft gesungen. Da ist dir wirklich ein "gründlicher"Baumfreund-Post gelungen und ich möchte dich bestärken dann auch noch einmal "Laubfotos" von diesen imposanten Bäumen zu machen. Linden haben wirklich eine außerordentliche (Über-)Lebenskraft. Schön dass du auch einiges zum Standort und den Gegebenheiten rund um die Bäume herausfinden, beschreiben und zeigen konntest. Herzlich grüßt dich Ghislana

    AntwortenLöschen
  2. Ein schöner und lesenswerter Post rund um die Linde, liebe Edith! Du hast wunderbare Linden zusammengetragen. Ich wünschte, ich wäre etwas schneller hier im Ort gewesen ;)) Dir ein guten Rutsch in ein friedvolles & gesundes 2016. Herzlichst, Nicole

    AntwortenLöschen
  3. Liebe Edith,
    ein interessanter Post!
    Wir haben hier auch eine uralte Lind im Dorf. :-)
    Ich wünsche dir einen guten Rutsch
    in ein gesundes neues Jahr :-)
    Ganz viele liebe Grüße
    von der Urte

    AntwortenLöschen
  4. Tja, DAS waren noch Zeiten, die kenne ich auch noch!
    Toll, daß Du so viele und vor allem so alte Linden finden konntest, liebe Edith!

    Einen solchen Baum hat es in unserer Stadt auch, der aus Altersgründen allerdings mit diesen Eisenstäben zusammengehalten wird. Und Lindenalleen haben wir auch. Der Duft ist einfach herrlich! Im Waldgarten besaßen wir auch eine große alte Sommer-Linde, die Du hier sehen kannst

    http://mein-waldgarten.blogspot.de/2010/06/dieser-sue-duft.html

    Und gar nicht weit weg gab es eine Winter-Linde. Schade nur, wenn die Blüten befallen sind, so daß man sie kaum nutzen kann. Die Blüten für den käuflichen Tee, habe ich mir sagen lassen, stammen aus Frankreich. Vielleicht hat es dort weniger Ungeziefer.

    Danke auch für den Hinweis auf den Hibiskus! Bislang war mir noch nie ein Sämling untergekommen. Vielleicht haben wir nicht die richtigen Standortbedingungen? Ich weiß allerdings auch nicht genau, wie er aussieht und rupfe sie womöglich versehentlich aus? Nun werde ich besonders achtgeben. Interssieren würde mich noch die Blütenfarbe der Sämlinge, die sicherlich unterschiedlich ausfallen kann.

    Einen guten Rutsch in das Neue Jahr wünsche ich Dir und für 2016 alles Liebe und Gute, vor allem Gesundheit!
    Alles Liebe
    Sara

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Die Blütenfarbe, liebe Sara, ist identisch mit der von der Mutterpflanze (pink mit kräftig roter Mitte), weil kein Hibiscus in einer anderen Farbe daneben steht. Weshalb die Blüten größer sind, weiß ich nicht, wahrscheinlich bessere Erde. Die Sämlinge haben eigentlich von Anfang an die für den Hibiscus typische Blattform. Liebe Grüße Edith

      Löschen
  5. Hallo Edith,
    ich wünsche Dir ebenfalls einen guten Rutsch ins neue Jahr 2016.
    Liebe Grüße von Ingrid

    AntwortenLöschen
  6. Hallo Edith, danke für die schönen Linden-Eindrücke und dieses Himmelblau!!! Ich wünsche dir einen guten Rutsch in ein frohes, gesundes und glückliches Jahr 2016!
    Ganz liebe Grüße, Marita

    AntwortenLöschen
  7. Liebe Edith,
    dir ein zauberhaft wundervolles glückliches und gesundes neues Jahr. Alles nur erdenklich Gute
    Elisabeth

    AntwortenLöschen
  8. Liebe Edith,

    schön, dass du uns zu deinen Linden mitgenommen hast. Diese Kraft, die in der Natur liegt, ist schon gewaltig. Und wie klein wir Menschlein.

    Alles Liebe für dieses Jahr, dass wir alle wachsen und weiter gedeihen und uns an allem, was da kreucht und fleucht, erfreuen können!

    Beste Grüße
    Xenia

    AntwortenLöschen
  9. Tatsächlich, liebe Edith, irgendwie war mir auch so, einen ähnlichen Baum schon mal in einem Blog gesehen zu haben. Wie gut, daß ich ihn gleich gefunden habe! Ein bisserl schwierig zu fotografieren, finde ich, wenn der gesamte Baum aufs Bild soll - bei dem Umfang - jedenfalls ging es mir so. Hatte aber auch nur das Smartphone mit.

    Eine gute neue Woche wünsch' ich Dir!

    Liebe Grüße
    Sara

    AntwortenLöschen