Samstag, 21. November 2015

Solange ich denken kann...,

 
habe ich gern in den Himmel geschaut.
Dazu gibt es in meinen 'Erinnerungen' folgendes Kapitel:  
 
 
'Meine kleine, ruhige Welt, in der ich als Kind lebte,
veränderte sich eines Tages.
Es setzte ein reges Treiben und sogar eine Art Hektik ein,
die ich bis dahin nicht kannte.
Das große Tor, von dem ich gar nicht wusste,
dass es ein Tor war, stand weit offen.
Fuhrwerke fuhren hin und her.
Ich stand staunend da und sah plötzlich,
wie groß die Welt war.
Auf einmal war es warm. Die Sonne schien.
Ich ging durch das Tor den Weg entlang,
zog nach und nach Schuhe und Strümpfe aus,
 ließ  einfach alles auf den Weg fallen.
 Der Sand war warm.
Vorsichtig betrat ich die Wiese, die sich vor mir ausbreitete.
Ich weiß noch heute, wie die Grashalme
 an meinen Oberschenkeln und Armen kitzelten,
suchte mir ein Plätzchen und legte mich hin.
Das Gras war weich. Die Erde roch so gut nach Wald.
 Die Sonne wärmte meinen kleinen Körper.
 
 
 Ich öffnete langsam zuerst
das eine und dann das andere Auge einen Spalt,
 beobachtete, wie die Gräser im Wind tanzten
und malte alles in Gedanken nach.
Zuletzt schaute ich mit weit geöffneten Augen
 in den unendlich weiten Himmel.
 Ich erinnere mich, dass ich als erstes dachte,
 eigentlich bin ich auch nicht viel mehr als eine Ameise.
 Über den blauen Himmel wanderten weiße Wölkchen,
 die aneinander vorbeizogen, sich manchmal berührten
und sich sogar zu einer neuen Wolke vereinigten.
Während ich das alles gedankenversunken beobachtete,
hörte ich, wie Mutti meinen Namen rief.
 Ich verhielt mich ganz still; denn ich wusste,
 wenn ich antworte, holt sie mich hier weg. 
Natürlich fand sie mich.
Sie kam, hob mich auf und trug mich,
 auf ihren Armen liegend, zurück zum Haus.
 Dabei schaute sie mich nachdenklich an
 und sagte mehr zu sich selbst:
"Was bist du für ein sonderbares Kind."
Und ich dachte:
 "Ich bin gerne ein sonderbares Kind",
 ohne das Wort überhaupt richtig zu verstehen.
 
 
 Ich glaube, die Liebe zur Natur
wird einem schon als Kind in die Wiege gelegt.
Und es war eine stille Freude für mich,
 als ich rein zufällig ein Gedicht entdeckte,
 welches mir bewies,
dass ich schon lange vor meiner Zeit
eine Art 'Seelenverwandten' hatte,
nachfolgend nun sein Gedicht:




Weiße Wolken...

Weiße Wolken gehen im Blauen;
als - ein Kind - im Gras ich lag,
liebt' ich's, ihnen nachzuschauen,
träumte einen schönen Tag.

Weiße Wolken wandern immer,
und ich freu - ein alter Mann -
mich an ihrem lichten Schimmer,
denk an meine Jugend dann.

Weiße Wolken werden wandern,
wenn ich lange nicht mehr bin;
träumt ein Hügel unter andern,
und sie ziehen oben hin.

 Gustav Falke
 (1853 - 1916)


All meinen Leserinnen und Lesern
wünsche ich ein besinnliches Wochenende. 
 

Kommentare:

  1. Liebe Edith,
    welch herrliches Wolkenspiel, deine Bilder haben mich wieder mal auf eine ganz einzigartige Weise berührt. Und wie stets mag ich auch die kleine Geschichte sehr. Du hast recht das Gedicht passt wunderbar als wäre es dafür geschrieben worden. Wenn ich solch sagenhaftes Wolkenspiel sehe denke ich immer an meinen kleinen Bruder und wie wir stundenlang Wolken-Tiere-raten spielten. ..lächel..
    Ich wünsche dir ein schönes Wochenende
    Liebe Grüße Sandra

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  2. Klasse - wie alles was du schreibst. Sehr sinnig - nur besondere Menschen können derartige GEschichten schreiben.

    Sigrun

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  3. Einen Guten Morgen, liebe Sandra, danke für Deinen lieben Kommentar. Wenn Du früher schon geübt hast: Erkennst Du die Schildkröte, die über den blauen Himmel spaziert, und den Katzenhimmel? Einen schönen Tag Dir und liebe Grüße Edith

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  4. Hallo liebe Edith,
    wunderbare Gedanken zu wunderschönen Wolkenbildern. Ich habe mir viel Zeit genommen, deine Worte auf mich wirken zu lassen. Viele Dank für den schönen Moment.
    Viele Grüße Doris

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  5. Liebe Edith,
    wunderbare Himmelsbilder! Früher, als Kind lag ich gerne in der Wiese und betrachtete die Wolken, wie sie ziehen.
    Ich wünsche dir morgen einen schönen ersten Adventsonntag
    alles Liebe,
    Christine

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