Dienstag, 10. November 2015

Nie im Leben hätte ich gedacht...,

 
dass mich die Bücher-Entsorgungs-Aktion emotional derart aufwühlen würde.

 
Kürzlich las ich bei Sigrun, dass sie sich ein Leben ohne Bücher überhaupt nicht vorstellen könne. 'Weiß nicht, ob ich das auch so sagen würde', ging es mir damals durch den Kopf. Viele Dinge sind mir wichtig. Aber einen derartigen Stellenwert hätte ich Büchern nicht unbedingt eingeräumt.
 

Nachdem zwei Keller und die Waschküche aufgeräumt und frisch gestrichen waren, standen im Flur noch die Kisten mit den Büchern. Am dringendsten waren diejenigen, der zuunterst gestanden hatten. Die Bücher waren feucht geworden und rochen muffig. Um nichts Wichtiges zu übersehen, nahm ich sie einzeln in die Hand und blätterte sie kurz durch. Das hätte ich lieber nicht tun sollen; denn das entpuppte sich als eine Reise durch meine Vergangenheit, bei der ich viele alte 'Bekannte' traf, die mit den unterschiedlichsten Erinnerungen verbunden waren:

 
'Daddy-Long-Legs' von Jean Webster, ein guter Bekannter. Ich hatte eine nette Englischlehrerin.

 
'Iphigenie auf Tauris' von Goethe, 'Der stumme Ratsherr' von Wilh. Heinr. Riehl, 'Dreizehnlinden' von Friedr. Wilh. Weber und viele, viele andere. Ich habe diese Reclam-Heftchen gehasst. Die waren so langweilig und wurden durchgekaut bis zum Geht-Nicht-Mehr, was mir jegliche Freude am Deutschunterricht nahm, obgleich dieses Fach eigentlich neben Mathe, Englisch, Kunst und Sport zu meinen Lieblingsfächern zählte. Ich hätte mir für den Deutschunterricht andere Themen gewünscht.


Rechtschreibduden, GesundheitsbrockhausEinmaleins des Guten Tons, allesamt von meinem ersten selbstverdienten Geld angeschafft.

 
Etliche Bücher von Erich von Däniken (z. B. 'Zurück zu den Sternen'), Erinnerung an eine Freundin, die ich auf Borkum kennenlernte, als ich dort vor der Einschulung meiner Tochter mit meinen Kindern Urlaub machte.
 
 
Das große Wilhelm-Busch-Buch, absolutes Lieblingsbuch meines erstgeborenen Sohnes. Immer und immer wieder musste ich ihm Geschichten daraus vorlesen. Mit zwei Jahren konnte er die kompletten Max- und -Moritz -Verse mit Vor- und Nachwort auswendig.

 
'Feuerschuh und Windsandale', 'Fliegender Stern', 'Sinchen hinter der Mauer', meine Tochter, mein Jüngster und ich, wir liebten die Bücher von Ursula Wölfel.

 
Walt Disney's 'Im Tal der Apachen', ach ja, da konnte mein Jüngster schon selber lesen.

 
Ich könnte noch eine ellenlange Liste aufführen. Und nun kommt alles in den Papier-Container.

 
Für meinen kleinen Enkel gehören Oma und Bücher untrennbar zusammen. 'Oma, ich mag es, wenn du dabei erzählst', sagte er mal zu mir, als er mit dem Sprechen begann. Er mag lieber das Erzählen mit eigenen Worten als das Vorlesen.


Am letzten Dienstag nun brachte er sein Tiptoi mit. Da kam ich aus dem Staunen nicht mehr raus. Er tippt mit einem zu dem Buch gehörigen Stift auf den Gegenstand, für den er sich interessiert. Schon erklärt ihm eine fremde Stimme alles, was er dazu wissen muss, Zeitspiel und Quiz inbegriffen. Das moderne Enkelkind braucht heutzutage keine Oma mehr zum Erzählen und Erklären.

 
Um auf meine Bücher zurückzukommen: Als ich mit zwei Kisten fertig war, reichte es mir für diesen Tag. 

 
Ich packte die aussortierten Bücher in meinen Kofferraum und fuhr mit dem Auto schnurstracks zum Wertstoffhof, weil die Gefahr bestand, dass ich es mir sonst noch anders überlegen könnte.

 
Die eingestreuten Fotos machte ich bei meinem letzten Rundgang durch meinen Garten, bevor ich mit dem Zurückschneiden der Stauden begann.
 
Lesezeichen, das in einem der Bücher lag...
All meinen Leserinnen und Lesern wünsche ich einen schönen Tag.
 

Kommentare:

  1. Hallo Edith.
    und nun sind sie weg, die Bücher an denen so viele Erinnerungen hängen?
    Klingt irgendwie schade und mit Wehmut verbunden...
    Nein, meine bleiben im Regal, noch besteht kein Platzmangel und Wegwerfbedarf.
    LG Heidi

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  2. Liebe Edith,
    ach ja Bücher. Mein Mann und ich lieben sie und es haben sich unzählige angesammelt. Falls ich mal eine Aufräum-Aktion starte, dann darf ich nicht den Fehler machen und anfangen in den Büchern zu lesen. Garantiert werden sie wieder ins Regal gestellt (seufz). Na gut, wenn sie feucht geworden sind, dann hilft wohl alles nichts. Aber nun ist dein Keller wieder aufgeräumt und frisch gestrichen und das ist ja auch sehr schön.
    Viele liebe Grüße
    Ursula

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  3. Hallo liebe Edith,

    also Bücher entsorgen müssen, wäre mir auch ganz schön schwer gefallen.
    Wenn wir uns schon mal von Büchern getrennt haben, dann auf dem Flohmarkt, aber wenn sie eben nass geworden sind.
    Tolle Fotos hast Du noch aus deinem Garten mitgebracht!
    Bei mir blüht auch noch ein wenig, in der Hauptsache sind die Rosen die unermüdlichen.

    Eine schöne Gartenwoche wünsche ich Dir noch und liebe Grüße

    Christine

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  4. Liebe Edith, irgendwie kommt mir das bekannt vor. Wenn man ausmistet, muss man es wirklich sofort und auf der Stelle durchziehen, sonst wird das nix. Da geht es mir nicht anders. Deine Fotos sind fantastisch. Wenn ich die so sehe, fällt mir auf, dass ich eigentlich viel zu wenig Pflanzen mit schönen Blütenständen im Garten habe.

    Bei mir hält sich diese Post noch in Grenzen, aber das kommt schon noch.

    lg kathrin

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  5. Liebe Edith,
    ich weiß bei mir genau, dass ich mich von Büchern schlecht trennen kann. Mein Mann und ich haben deshalb einen kleinen Raum als Bibliothek eingerichtet mit deckenhohen Regalen, damit wir ordentlich Platz haben für alles, was da noch kommen mag. Aber wenn deine Bücher nass geworden sind und nun muffig riechen, bleibt ja tatsächlich nur noch das Entsorgen übrig - auch wenn es schwer fällt. Zu deinem Enkel kann ich nur sagen, dass sich eine Oma, die alles erklärt, sicher nicht überholt hat. Eine elektronische Stimme kann eine echte Oma niemals ersetzen!
    Liebe Grüße
    Katharina

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  6. Ich kann mich auch nur schlecht trennen, aber dennoch habe ich dieses Jahr so viele Bücher in öffentlichen Bücherschränken verklappt wie noch nie. Man darf einfach nicht mehr reinschauen.
    Meine waren auch immer weg, jemand hatte doch noch Freude daran, dann haben sie es ja gut. ;-)
    VG
    Elke

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  7. Mir fällt es auch schwer, Bücher wegzuwerfen und deshalb gebe ich sie weiter. Es gibt ja verschiedene Möglichkeiten. Aber klar, wenn sie nass und muffig sind, kann man sie nur noch wegwerfen. Aber ich finde auch immer, dass man sich auch mal trennen muss. ;) Wir sortieren deshalb immer mal wieder aus, nicht nur Bücher.

    Viele Grüße
    Margrit

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  8. Hallo,
    ich bin auch ein Bücherfreund. Wenn ich gelegentlich eine Aufräumaktion veranstalte, dann verschenke ich die meisten Bücher an Freunde und Bekannte. Es sammeln sich schnell wieder jede Menge neuer Bücher an.
    Vielen Dank für die hübschen Blütenbilder. Dieser November ist noch etwas bunt und nicht nur grau.
    Liebe Grüße von Ingrid

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  9. Liebe Edith,
    ich kann mich auch nur sehr sehr schlecht trennen.
    Aber bei der letzten Aufräumaktion hab ich es geschafft
    2 kleine Kistlein an unsere Dorfbücherei abzugeben. :-))
    Das war so schrecklich! Aber kein Platz mehr!
    Ganz viele gemütliche Freitagabendgrüße
    von Urte :-)

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  10. Hallo liebe Mama,
    auch ein "modernes" Enkelkind braucht seine Oma für Geschichten. Und wer wenn nicht du, könnte ihm so tolle Dinge so wunderbar erzählen?! Auch ich habe dir und deiner Stimme immer sehr gelauscht.
    Und die alten Bücher? Sind alte Erinnerungen....nun weichen sie neuen mit deinem Enkel ;-)
    Alles Liebe, Kai

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  11. Hallo liebe Edith!
    Wunderschöne Blumen hast du da in deinem Garten!
    Besonders gut gefällt mir die Rose mit den hübschen Tautropfen :)
    Gruß, Dolores

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