Sonntag, 22. November 2015

Es gibt ja die Redensart:
 
'Ein jeder hat sein Päckchen zu tragen. Niemand kommt im Leben ungeschoren davon'.

 
 
Und es ist wohl tatsächlich so. Wir alle tragen sie mit uns herum, die Päckchen mit den schönen und die Pakete mit den traurigen Erinnerungen. Und manchmal bedarf es nur eines Wortes oder eines Gegenstands und sie sind wieder da, als wäre es erst gestern gewesen, selbst nach Jahrzehnten. Ich spreche aus Erfahrung.




Beim Aufräumen im Keller hielt ich es plötzlich wieder einmal in beiden Händen, mein Päckchen mit den traurigen Erinnerungen, ein Päckchen, das mir aus heiterem Himmel geschickt wurde, zu einem Paket anschwoll, dessen Gewicht schwer und schwerer wurde, mich fast erdrückte und mir den Boden unter den Füßen wegriss, mich in Verzweiflung, Ohnmacht und Schrecken erstarren ließ.






Nun öffnete ich es wieder einmal und hielt sie in den Händen, 'handfeste' Erinnerungen, die mir geblieben sind aus längst vergangenen Zeiten: den ersten Schlafteddy mit aufgenähten Augen, einen Hund, dem ein Auge fehlt, eine Ente, einen Fisch, einen weichen, kleinen Löwen und Foxy, den Hund als Handspielfigur aus Mohair mit roter Schleife und Originaletikett von Steiff, verpackt in diesem Karton, weil die Erinnerungen zu weh taten und ich den Schmerz nicht aushalten konnte. Außerdem waren es seine Spielsachen. Niemand anderes sollte damit spielen.






Liebe verwaiste Mütter, liebe verwaiste Väter, ich will keine falschen Hoffnungen wecken. Dieser Schmerz hört niemals auf. Er wird Euch durch Euer ganzes Leben begleiten. Ich weiß es; denn ich bin eine von Euch. Aber der Schmerz verändert sich im Laufe der Zeit. Dennoch ist es ein  langer, schwerer Weg von dem verzweifelten Aufschrei nach dem WARUM  bis zum Akzeptieren des Schicksals mit den Worten: "Danke, dass es dich gab..."






Ja, meine lieben Leserinnen und Leser, ich weiß, dies ist ein Gartenblog. Ab und zu  vergesse ich das.  Aber hinter jedem Blog steht ein Mensch mit seiner ganz eigenen Geschichte. 


Ich wünsche Euch allen einen besinnlichen Sonntag.
 

Kommentare:

  1. Liebe Edith,
    deine heutigen Gedanken haben mich so tief berührt und mir stehen die Tränen in den Augen. Ich musste zum Glück noch keine derartigen Erfahrungen machen und es wäre sicher auch zu leicht gesagt, dass man es trotzdem nachempfinden kann. Auch wenn man es sich vorstellen kann, kann wohl nur jemand der Gleiches erlebt hat, diesen Schmerz nachvollziehen. Man hört dann so oft, "das Leben geht weiter!" Ja es geht sicher weiter, aber bestimmt ganz anders. Ich wünsche dir viel Kraft für den heutigen und alle anderen Tage und nehme dich von weiter Ferne einfach mal in den Arm.
    Viele Grüße Doris

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  2. Liebe Edith, dein Post hat mich tief berührt und auch mir stehen Tränen in den Augen. Diese Erfahrung des Verlustes eines Kindes ist wohl das Schmerzlichste und kann nur der nachempfinden, der dieses Schicksal teilt. Ich wünsche dir, dass die vielen schönen Erinnerungen überwiegen und dir für die Zukunft die nötige Kraft geben - fühl dich ganz fest gedrückt.
    LG Marita

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  3. Liebe Edith, das ist so traurig, dass mir die Tränen kommen. Wie furchtbar, ein Kind zu verlieren. Wie stark Du bist, dem Schmerz so nah zu kommen und diese Bilder zu machen.
    Liebe Grüße von Renate

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  4. Liebe Edith,
    ich musste jetzt auch ganz doll schlucken. Glücklicherweise kann ich es nicht nachempfinden, aber es muss das Schlimmste sein, was passieren kann. Eine meiner Nachbarinnen hatte dieses bereits 2x. Ich glaube, dass es wichtig ist, darüber zu reden, denn es muss ja irgendwie verarbeitet werden.
    Fühl dich mal ganz doll gedrückt

    Liebe Grüße
    Margrit

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  5. Liebste Edith,
    wie könnte man heute nicht berührt sein von deinem Post. Ich möchte dir danken das du dich so öffnest, den was wäre ein Blog ohne die Offenheit und Ehrlichkeit eines "echten" Menschen dahinter. Ich möchte gar nicht viel dazu sagen dich aber ganz fest in die Arme nehmen.
    Von Herzen Deine Sandra

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