Sonntag, 15. November 2015

Als ich heute morgen...
 
Engel in Rombachs Rosengarten in Nottuln
in meinem warmen, kuscheligen Bett überlegte, ob es an der Zeit sei aufzustehen oder lieber noch ein wenig liegen zu bleiben, ließ ich die letzte Zeit noch einmal vor meinem inneren Auge Revue passieren. Ich dachte an die Besuche im Kreislehrgarten Steinfurt, beim Ehepaar Sombecke in Dreierwalde, an unsere Spaziergänge im Erholungsgebiet Buchenberg, im Steinfurter Bagno und an die tollen Fotos, die ich mit nach Hause gebracht hatte, wie bunt und schön doch diese Jahreszeit eigentlich ist. Irgendwann schweiften meine Gedanken ab, kamen vom Herbst im allgemeinen zum Herbst des Lebens, vom Herbst des Lebens zum Leben im allgemeinen.
 
Stiller Teich im Garten Wissing in Senden-Bösensell
Und plötzlich mischte sich meine innere Stimme ein, gab mir einen Schubs mit den Worten 'He, du, da gab es doch mal einen Text von dir über einen Baum...'. Stimmt, ich erinnerte mich, stand auf und wurde in meinem Aktenordner fündig. Wer Lust auf 'andere Gedanken' hat, dem empfehle ich als die Schreiberin des bislang unveröffentlichten Textes, vorher die rosarote Brille aufzusetzen, ausgenommen sind natürlich meine zur Zeit unsterblich verliebten Leser/innen. Los geht's...
 
Liebende Engel in Rombachs Rosengarten in Nottuln
 'Abschiedsgedanken (Ein Liebesgedicht)
 
Jedes Mal, wenn es heißt, Abschied zu nehmen für
unbestimmte Zeit, empfinde ich Trauer und Schmerz.
 
Ich mag nicht loslassen und wünschte mir, eine
Naturgewalt würde uns in unserer letzten Umarmung
erstarren lassen zu einem Fels in der Brandung
als Symbol einer alles überdauernden Liebe.
 
Wir könnten uns auch ergießen zu einem wogenden Meer
als Sinnbild der Leidenschaften und geweinten Tränen.
 
Vielleicht sollten wir uns vereinigen zu einem betagten Baum
als sichtbares Zeichen der Vergänglichkeit allen Lebens.
 
'Betagter Baum' im Garten Falkenstein in Nottuln
Da ich von dir weiß, dass auch du  Bäume liebst,
entscheide ich mich spontan für einen Baum.
Du bildest den Stamm, die Äste, ich die Blätter und Blüten.
Unsere Wurzeln würden sich auf wunderbare Weise verknoten
und unsere Jahresringe miteinander verschmelzen.
Ich würde dich im Verlaufe der Jahreszeiten erfreuen mit
einer sich ständig wandelnden Farbenpracht meiner Blätter,
seltene, wunderschöne, weiße Blüten hervorbringen.
 
Blühender Cornus Kousa in meinem Garten
Eichhörnchen, Vögel & Co. wären zu Gast in unserem Baum.
Wir würden deren reges Treiben beobachten und die Welt
aus der Vogelperspektive heiter und gelassen betrachten,
viel reden und lachen oder einfach nur schweigend lauschen,
was der Wind uns an guten Neuigkeiten zu berichten hat.
Verliebte dürften ein Herz in deinen Stamm ritzen,
Wanderer sich stärken und ausruhen in unserem Schatten.
Ich würde dich des Nachts mit meinem Blattwerk wärmen,
denn ich kenne dich und weiß, wie schnell es dich friert.
 
Hortensienherz auf meinem Pflanztisch
Im Herbst schließlich würde ich dir mein buntes Laub
zu Füßen legen, zu dir aufschauen und dich bewundern;
denn der Winter ist die Zeit für deinen großen Auftritt.
Du würdest deine kahlen Zweige schmücken mit
glitzernden Regentropfen, puderzuckerartigem Raureif
 oder einem dicken, warmen Mantel aus Schnee.
Faszinierend und ein wenig fremd würdest du erstrahlen
wie ein Fabelwesen aus dem Märchenland.
 
Herbstfeuerwerk im Garten Holthaus/ Sombecke in Dreierwalde
Und wenn wir eines Tages müde geworden sind
von diesem ewigen Kreislauf, verabschieden wir uns
mit einem Farbspektakel und Blätterwirbel ohnegleichen,
so dass die Leute entzückt stehenbleiben und staunen.
Und während sie sich noch Gedanken machen darüber,
weshalb wir im Frühling nicht mehr austreiben,
sind unserer beider Seelen schon längst
 im Pflanzenhimmel auf ewig vereint.'
 ( 1997)

Ein Himmel, wie er mir gefallen würde...
Das war's...

Ein französisches Sprichwort lautet:
'Abschiednehmen ist immer
ein Stückchen Tod.'

Herz mit herbstlichen Blättern vom Tulpenbaum im Garten Holthaus/ Sombecke in Dreierwalde
 Ich neige dazu,
 mich ernst, aber nicht allzu ernst zu nehmen,
 immer mit einem Augenzwinkern mein Leben zu betrachten.

Herbstliches Blatt vom Ginkgo biloba im Garten Holthaus/ Sombecke in Dreierwalde
Oft höre ich den  Satz: 'Du  hast  zu  viel Fantasie'.  Kann man davon  zu  viel  haben?

Macht Ihr, meine lieben Leserinnen und Leser, Euch einen fantasiereichen, kurzweiligen, besinnlichen Tag.
P.S. Am 19. Oktober hat mein Computer seinen Geist aufgegeben und befindet sich immer noch beim Hersteller zur Reparatur, der zur Zeit bemüht ist, ein Ersatzteil aus China (?) zu beschaffen. Wenn ich posten oder kommentieren will, bin ich auf die Gefälligkeiten meiner Nächsten angewiesen. Die Veröffentlichung meiner auf 'Entwurf' liegenden Posts verschieben sich entsprechend. Als ich den vorstehenden Post schrieb, ging es in den Nachrichten um Flüchtlinge und noch nicht um Paris. Irgendwie aber scheint der Text dennoch zum heutigen Volkstrauertag zu passen.
 
 

Kommentare:

  1. Hallo Edith,
    vieles bleibt ungesagt, weil einfach nur die Worte fehlen. Deshalb finde ich es schön, dass Du uns an Deinen Gedanken teilhaben lässt.
    Es gibt viele Ungerechtigkeiten auf der Welt und viel Unglück. Heute gedenken wir nicht nur unserer Lieben, die von uns gegangen sind, sondern auch all denen, die uns fremd sind und die ihr Leben durch gemeine Anschläge verloren haben.
    Liebe Grüße von Ingrid

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  2. Schön geschrieben! Mir fehlen aber momentan alle Worte.

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  3. Hallo Edith,
    ganz lieben Dank für deine immer so lieben Kommentare, ich freue mich sehr darüber.
    So ein wunderbares Gedicht, da ist wirklich schön und ich sage mir immer wieder,
    "auch der Herbst hat noch schöne Tage", ich fühle mich im Herbst meines Lebens sauwohl.

    Schöne Fotos hast du wieder, einfach schön.

    Lieben Gruß Eva

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  4. Liebe Edith,
    dein Gedicht ist wunderschön, es hat mich sehr gerührt. Vielleicht weil ich gerade Bäume so gerne mag hat es mich so bewegt. Ich danke dir das du dieses so persönliche Gedicht mit uns geteilt hast.Und deine fantastischen Fotos runden es perfekt ab. Du bist wunderbar! Genug Fantasie kann man nie haben, ist es nicht genau diese die uns in solch schweren und erschütternden Zeiten wie im Moment rettet.

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  5. Liebe Edith,
    wow dein Hortensienherz finde ich wunderschön......
    Auch die restlichen Bilder sind wunderschön.....
    Ganz liebe Grüße
    Jen

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  6. Liebe Edith,
    das ist ein wunderbares Gedicht, was du geschrieben hast. Deine Fotos passen großartig dazu. Zunächst hatte ich angenommen, daß du es aufgrund der Anschläge in Paris eingestellt hast. Ich bin darüber noch so sehr erschüttert,
    LG kathinka

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  7. Liebe Edith,
    ein wundervoller und großartiger Text!
    Und man kann nicht zuviel Phantasie haben - nur so sind die Schrecken auf
    dieser Welt erträglich ...
    Liebe Sonntagsgrüße von Urte

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  8. Liebe Edith, wunderschöne Bilder. Bei uns tobt heute schon den ganzen Tag über ein Fönsturm. Ob das angenehm ist oder nicht, darüber lässt es sich streiten. Ich empfinde es eher als ungut.

    lg kathrin

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  9. Nein...Fantasie ist etwas sehr Schönes...man kann niemals genug davon haben...Leider geht "Fantasie-haben" heutzutage immer mehr unter...es ist nicht wirklich erwünscht...vor allem in der Schule...LG Lotta.

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