Dienstag, 27. Oktober 2015

Wenn es tagelang ununterbrochen regnet...,
 
 
hat man keine Ausrede mehr, Arbeiten, die seit langem anstehen und im Haus zu erledigen sind, weiterhin vor sich her und auf die lange Bank zu schieben. Also begab ich mich notgedrungen in die Katakomben und wurde mehr unfreiwillig zum 'Kellerkind'.

 
Unser Haus ist vollunterkellert. Dort gibt es einen langen Flur, drei größere und zwei kleine Keller sowie die Waschküche. Eine Waschküche ist nicht verkehrt,  ein Heizungskeller muss sein, auch  Toilette und Dusche im Keller sind eine schöne Sache. Und der Bügelkeller war praktisch, solange ich jedes Wochenende bis zu sechs Waschmaschinen voll Wäsche hatte.


In einem Keller aber, in dem  Blumentöpfe für drinnen und draußen in allen Größen stehen, meine Gartenutensilien, Gartendünger und die Haushaltsgeräte aufbewahrt werden, die ich nicht täglich benötige, entfaltet sich immer wieder und seit Jahren nach und nach ein einziges Chaos.

 
"Oma, ich habe auch mal Chaos gemacht, aber das habe ich dann wieder aufgeräumt;" sagte mir kürzlich mein mittlerweile 4-jähriger Enkel, als ich das Wort 'Chaos' benutzte. Er weiß auf jeden Fall, was man dann tun muss, ich auch. Aber ich hasse es, Keller aufzuräumen. 

 
Seit meinem 23. Lebensjahr wohne ich in diesem Haus. Und es sammelt sich im Laufe eines Lebens einiges an, alles Dinge, die mit Sicherheit noch irgendwann einmal gebraucht werden und die zu schade sind zum Wegwerfen...

 
Bevor es dann messieähnliche Ausmaße annimmt, wird  aufgeräumt, aussortiert, weggeworfen. Und jedesmal beneide ich die Menschen, die alle fünf Jahre in eine andere Wohnung ziehen und sich dabei von überflüssigem Ballast  trennen bzw. trennen müssen. Ich will nicht sagen, dass ich mit ihnen tauschen möchte, nein, auf keinen Fall. Aber anstatt der vielen Keller wäre mir ein übersichtlicher Wirtschaftsraum mit Waschmaschine, Trockner und Kühltruhe lieber. 

 
Denn in unseren Kellerräumen geschehen immer wieder seltsame Dinge. Neben den eigenen Sachen, die von Zeit zu Zeit dorthin wandern, werden da immer wieder und klammheimlich Sachen abgestellt, die mir völlig unbekannt sind. Wie kommen die schwarzen Damenschlittschuhe dahin? Wem gehören die Fußballschuhe und die Skier mit dazugehörigen drei Paar (!) Skischuhen?


Was macht der Felgenturm da? Mein Auto hat Ganzjahresreifen. Ich habe auch noch nie zwei Dutzend schwarz lasierte Blumentöpfe aus Ton besessen und ... und ... und...

 
Also sortiere ich: für die Papiertonne, für den gelben Sack, für den Restmüll, für die Kleidersammlung, für Flüchtlinge und für drei große Fragezeichen; denn bei einigen Sachen weiß ich nämlich  überhaupt nicht, wohin damit. Ist das Sondermüll? Wo liefert man den ab? Also schleppe ich Sack für Sack die Kelleraußentreppe hoch, bringe alles zunächst mal in die Garage und rede mich bei dem vielen treppauf, treppab so langsam in Rage.


Einige Sachen sollte ich meinen geliebten Kindern einfach vor die Haustüre stellen. Aber ich will keinen Ärger, werde mich darauf beschränken, ihnen mitzuteilen, dass sowohl meine Papier- als auch die Restmülltonne voll sind und sie fragen, ob sie noch Platz in ihren Tonnen oder Zeit haben, die Säcke zum Wertstoffhof zu bringen; denn mit meinem Ford Fiesta müsste ich einige Male fahren. Dazu habe ich absolut keine Lust.

 
Zwei Tage habe ich nun im Keller verbracht. Jetzt brauch ich erst mal eine Pause. Und es wartet noch der Bügelkeller. Dort haben sich Spielsachen meines Enkels aus drei Jahren angehäuft, Gartenzeitungen aus 15 Jahren, Kisten mit Büchern und einiges mehr. Aber der Winter ist ja lang. Und es wird noch viele Regentage geben. 

 
Wie gut, dass ich einen 'ordentlichen' Beruf erlernt habe, nur meinen und nicht noch den Dreck anderer (pardon: fremder) Leute wegmachen musste. Dazu hätte ich nämlich absolut keinen Bock. Das würde mir mein Leben auf Dauer ganz schön vermiesen...
Und wie sieht's in Euren Kellern aus? 


Bis hier hatte ich diesen Post fertig. Dann passierte es am Montag, dem 19. Oktober: Mein Computer gab seinen Geist auf. Zunächst nahm er mein Passwort nicht an, so dass ich nicht mehr ins Internet konnte und kurze Zeit später war alles dunkel.


Einige Tage war ich so naiv zu hoffen, dass er sich wieder erholen würde. Schließlich ist er erst 2 Jahre und 7 Monate alt. Als ich endlich begriff, dass daraus wohl nichts werden würde, war Samstag und ich  brachte ihn in die Werkstatt, also dorthin, wo ich ihn gekauft hatte. Da die Fachleute ebenfalls ratlos waren, ist mein Computer inzwischen (hoffentlich) auf dem Weg zum Hersteller.


Inzwischen sind zwei Keller entrümpelt, aufgeräumt und die Wände frisch gestrichen. Fast täglich erscheine ich beim Wertstoffhof und liefere irgend etwas ab. Als ich gestern vor der Pforte hielt und den Kofferraum öffnete, kam der Kassierer aus seinem Häuschen an meinen Wagen und fragte mich freundlich, ob er mir die Sachen wohl abnehmen dürfe. Es handelte sich um einen großen Karton mit Gartenzeitungen und um ein altes Bügeleisen, beides nicht kostenpflichtig.


So viel Höflichkeit machte mich stutzig. Also grübelte ich, ob mich die Arbeit im Keller so 'kaputt' aussehen lässt, dass schon dieser ältere Mann Mitleid mit mir hat, oder ob es die Entzugserscheinungen sind, mein trostloses 'offline-Dasein'. Ich tippe auf letzteres.


Als meine Tochter mich heute morgen sah, überließ sie mir freiwillig leihweise ihren Computer Windows 7.0. Mein Sohn hatte vorher schon meinen Friday Flowerday-Strauß online gestellt. Ich bin gerührt von so viel Mitleid und glücklich, dass ich wieder bei Euch reinschauen kann.


Irgendwie werde ich aber den Verdacht nicht los, dass bei diesem ganzen Malheur vielleicht der Chef von ganz oben seine Hände im Spiel hatte, der mich kennt und mich ausbremsen wollte, weil ich es mit meiner Begeisterung für meinen Gartenblog wirklich manchmal  ein wenig übertreibe.


Habt ein wenig Geduld mit mir, wenn ich im Moment nicht zum Kommentieren komme. Aber ich verspreche: es wird alles nachgeholt.  


Einen schönen Tag Euch allen, danke für die netten Worte zu meinem 100. Post, tschüss bis bald Eure Edith.

P.S. Sämtliche Fotos sind am 26. Oktober in meinem Garten entstanden.
 

Kommentare:

  1. Liebe Edith, das Problem mit dem Keller kommt mir sehr bekannt vor. Als wir vor drei Jahren ins Haus gezogen sind, haben wir kräftig ausgemistet, aber nun ist er schon wieder voll. Es geht einfach so schnell. Irgendwann im Winter möchten wir ihn auch gründlich aufräumen. Mir graut davor.

    Mein Laptop hat immerhin acht Jahre durchgehalten, aber dann war es auch vorbei mit ihm.

    lg kathrin

    AntwortenLöschen
  2. Liebe Edith,
    das war ein wundervoll sympathischer Post und so herrlich ehrlich. Genau das mag ich so an dir! Das mit dem Keller kenne ich auch nur zu gut unserer ist samt Heizungskeller voll, voller am vollsten...gruselig...noch habe ich mich "tapfer" davor gedrückt ihm zu Leibe zu rücken. Aber ich weiß das der Tag kommen wird und denke mir jetzt schon mal Schimpftiraden für dieses Vorhaben aus...kicher...
    Ich hoffe dein Computer ist bald wieder heile, eine meiner Alptraum-Vorstellungen das ich einfach nicht mehr hier und da unterwegs sein kann. Noch vor zwei Jahren habe ich jeden Computer umschifft und hatte keinerlei Verständnis für diverse "Computer-Freaks" und jetzt sie mich an...mittlerweile kann ich mir ein Leben ohne Euch und unsere Blogs gar nicht mehr vorstellen. Verrückt aber auch schön, meine Welt ist dadurch viel, viel größer geworden.
    Wünsche dir noch eine angenehme Woche
    Alles Liebe Deine Sandra

    AntwortenLöschen
  3. Liebe Edith,
    wir haben keinen Keller - zum Leidwesen meines Mannes, der gern einen hätte. Ich bin da eher zwiegespalten; je mehr Platz man hat, desto mehr müllt man sich vielleicht auch zu. Für mich ist Aussortieren immer mit einer gewisse Überwindung verbunden, auch wenn ich einsehe, dass die Schränke irgendwann übervoll sind!
    Liebe Grüße
    Katharina

    AntwortenLöschen