Sonntag, 11. Oktober 2015

Um es vorwegzunehmen...




dies ist und bleibt ein Gartenblog. Und hier geht es jetzt auch nicht um 'Das Wort zum Sonntag', sondern um meine Gedanken, die mich gerade beschäftigen. 




Als ich heute morgen aufstand, brummte schon mein Kopf. Was war geschehen? Gestern zeigte mir meine Blog-Liste an, daß es einen neuen Post bei 'Frau Jaellekatz' gibt, wo ich wegen ihrer Aktion 'Alles für die Katz' gerne zu Gast bin. Aber es ging dort nicht um Katzen, sondern um das Thema 'Gewissen', zu dem sie sich sehr lesenswerte Gedanken machte. Und nun hatte auch ich dieses Wort 'an der Backe' und es läßt mich nicht mehr los.




Ja, das Gewissen... Was ist das eigentlich? Fest steht, daß es kein Organ ist, wie z. B. Herz, Lunge, Leber, Nieren. Es ist etwas Unsichtbares, Unfaßbares, etwa wie die Seele. Es gibt das Wort 'seelenlos'. Im Duden fand ich auch die Worte 'Seelenadel, Seelengröße, Seelengüte'. Und es gibt das Wort 'gewissenlos'. Spricht man von 'gewissenlosen Menschen', denke zumindest ich automatisch an 'skrupellos'. Irgendwie schließt sich da der Kreis. Wer keine Skrupel hat, setzt sich über Zweifel, Bedenken und Gewissensbisse 'gewissenlos' hinweg. Fehlt ihm der Seelenadel? 


 

Da kommt auch die Frage auf, ob das Gewissen 'angeboren' wird, ob es ein Gendefekt ist, wenn jemand offenbar keines hat.

Ich bin der Meinung, daß sich das Gewissen in frühester Kindheit nach und nach entwickelt, und zwar durch das Vorbild der Eltern und durch die Erziehung zu Hause, im Kindergarten, in der Schule. Es ist wichtig, daß Kinder von Klein auf an zu unterscheiden lernen, was gut oder schlecht, richtig oder falsch ist, daß Handeln wider besseres Wissen ein schlechtes Gefühl bis hin zu Magenschmerzen und Bauchweh verursachen kann. Wir haben ja die Zehn Gebote und die Bibel. Aber ohne Hilfestellung kann auch dabei einiges in die falsche Richtung gehen. Es gibt einige Sätze aus meinem Elternhaus, die ich in allerfrühester Kindheit schon zu hören bekam, die mich ein Leben lang geprägt haben:
'Sich selbst im Spiegel ins Gesicht schauen können', 'Mit Rückgrat durchs Leben gehen'.




Zum Glück habe ich gerade eben noch schnell bei Wikipedia nachgelesen und dort Sätze gefunden, die ich so wahrscheinlich nicht hätte formulieren können:

Gewissen: 'Instanz im menschlichen Bewußtsein, die bestimmt, wie man … aus ethischen bzw. moralischen und intuitiven Gründen... urteilen soll', '...Handlungen auszuführen oder zu unterlassen...', 'Ohne eine ethische Orientierung bleibt das Gewissen leer', 'Ohne Verantwortung ist das Gewissen blind'. 




Ich selber habe im Laufe meines Lebens immer wieder festgestellt, daß Menschen mit einem 'leeren' Gewissen keinerlei Schuldbewußtsein haben. In der Schule lernt man sooo viel überflüssigen, sinnlosen Ballast, den man nie im Leben gebraucht. Vor allen Dingen für diejenigen, denen es an Vorbildern in der Familie fehlt – und den anderen kann es auch nicht oft genug vermittelt werden -, wird es höchste Zeit, daß die Schulfächer 'Ethik', 'Moral' neben Deutsch, Mathe, Englisch, Sport als Hauptfächer in der Schule eingeführt werden.




Gerade in der jetzigen Zeit mit den fürchterlichen schier unlösbaren Problemen drängt sich mir die Frage auf, ob es neben dem Gewissen des Einzelnen so etwas geben muß wie ein 'kollektives Gewissen', wie das 'Gewissen eines ganzen Volkes'...? Schon einmal hat ein ganzes Volk mehr oder weniger tatenlos geschwiegen. Ich denke dabei an die Worte meiner Mutter, die verstorben ist, als ich vierzehn Jahre alt war, die da lauteten: 'Versetz' dich doch mal in die Lage der anderen und überlege, wie du dich dabei fühlen würdest...'

Bei allen berechtigten Ängsten und Sorgen, die auch mich plagen, müßte unser Gewissen an erster Stelle stehen oder?




Einen schönen Sonntag Euch allen Edith

Mein Mittagessen heute: Kalte Küche, Fenster auf...

Kommentare:

  1. Hallo Edith,
    nachdem ich diesen Beitrag gelesen habe, kommt mir ein Sprichwort in den Sinn: "Ein gutes Gewissen ist ein sanftes Ruhekissen."
    Auch ich wurde so erzogen, dass ich meine Mitmenschen achte und niemanden bewusst beleidige oder verletze. Oft hatte ich Probleme, weil ich meinem Gewissen folgte und mich nicht der Meinung der Mehrheit anschloss.
    Vielen Dank für die stimmungsvollen Himmelsbilder.
    Liebe Grüße von Ingrid

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  2. Hallo Edith,
    auch ich bin so erzogen worden, dass man sein Gewissen nicht einfach an der rechten Tür abgeben darf. Ich könnte weder ruhig schlafen noch in den Spiegel sehen, wenn ich nicht jedem Menschen gegenüber Toleranz, Verständnis und Mitgefühl aufbringen würde. Ich finde es schlimm, dass die einen so laut sind und die anderen, die ich hören möchte, meist schweigen.
    Viele Grüße,
    Anette

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  3. Liebe Edith,
    hui das war jetzt viel Stoff zum Nachdenken. Du hast einen tollen Post geschrieben der mich sehr berührt hat. Es ist gut sich selbst stets zu hinterfragen, so versuche ich jedenfalls zu leben. Doch ich glaube das Leben ist nicht schwarz oder weiß, wann ist jemand gut oder schlecht? Wann handelt er richtig und wann falsch? Für sich oder andere. Im Moment mag man gar keine Nachrichten mehr schauen weil irgendwie alles aus den Fugen geraten ist, so fühlt es sich für mich zumindest an. Jeder kann wohl immer nur bei sich anfangen und versuchen die Welt ein kleines Stückchen "besser" zu machen und stets an das "Gute" in jedem Menschen zu glauben. Menschen ohne Gewissen sind das überhaupt Menschen? Oder sind sie einfach durch ihre Lebensumstände so geworden, rechtfertigt dies dann ihr Verhalten? Es ist schwer zu urteilen, man kennt ja selten die ganze Geschichte von jemanden. Ich habe jedenfalls noch Hoffnung für uns alle, das dass "Gute" in uns überwiegt wenn wir unserem Gewissen folgen.
    Liebe Grüße Sandra

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  4. Liebe Edith,
    so geht es mir auch manchmal ;-) Ich lese irgendwo etwas, dann hakt sich das fest - und ich fange an, darüber nachzudenken, wie manche Sachen für mich sind.
    Die Wolkenbilder sind wunderschön und passen so gut zum Thema, bei dem man eigentlich lange den Wolken beim Ziehen zugucken kann und dann darüber philosophiert.
    Eine wunderbare Woche wünscht
    Jaelle Katz

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  5. Liebe Edith,
    beim lesen deines Posts habe ich auch gleich daran gedacht, wie gut die Wolkenbilder dazu passen. Dein Post macht sehr nachdenklich. Ich wurde auch noch so erzogen, immer gewissenhaft zu handeln. Andere sind das offentsichtlich nicht mehr. Und ja, ich bin auch der Meinung, Ethik müßte ein Pflichtfach ab der Grundschule sein.
    LG Kathinka

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  6. Liebe Edith, die Wolkenbilder sind Dir wirklich gut gelungen und passen perfekt zum Text.

    lg kathrin

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  7. Ich finde es gut, dass du deine Gedanken zu diesem Thema mit uns teilst und auch die Art, wie du das tust! Kann man in diesen Tagen nicht genug haben, Gewissen. Lieben Gruß Ghislana (die auch dein Hortensienherz ganz zauberhaft findet)

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  8. Auch in einem Gartenblog kann man zuweilen abschweifen. Ich habe zwar zwei Haupt-Blogs, aber es ist schwer, beide regelmäßig zu bestücken, daß es überwiegend doch beim Gartenblog bleibt.
    Tja, das Gewissen - da bin ich nun wiederum überzeugt, daß es von Gott gegeben ist - also veranlagt wurde und natürlich noch ausgebildet wird. Da wurde schon viel geforscht und unterschiedliche Ansichten vertreten ... hatte ja auch einige Vorlesungen in Psychologie ... doch der beste Beweis ist für mich immer, daß aus den schlechtesten Familien die besten Kinder kommen oder umgekehrt. Also bei weitem nicht alles durch die Vorbildfunktion entsteht.
    Alles ist ein Wunder, genauso, wie wenn der kleine Mensch seine ersten Worte spricht "Mama" oder "Papa" .... woher kommt das, wie kann das möglich sein ... Wunderwerk Mensch! :-)

    Ganz ohne Gewissen sind sicherlich die allerwenigsten Menschen. Es kommt oft auf das Motiv an ... ob etwas für "gut" gehalten wird oder nicht ... Aber das soll es auch geben, daß ein Mensch kein Gewissen besitzt. Ich erinnere mich da an einen Massenmörder, der das zumindest von sich selber zugab und selbst auch um Kastration gebeten haben soll ...

    Gute Gedanken und wunderbare Wolken-Bilder dazu!

    Alles Liebe
    Sara

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