Samstag, 5. September 2015

Es verursachte einigen Wirbel,

 

nachdem bekannt wurde, daß es nach dem unglücklichen Todesfall eines Vogels im Hause Susi Z. nun auch noch und zum wiederholten Male in einem dem Blog Staudenflüstern verwandten Hause zum Ableben eines Vogels gekommen war. Unter dringendem Tatverdacht standen die beiden Katzen des Hauses namens Anton und Emmy (Maine Coon).



Umgehend wurde ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. Bei dem Anzeigeerstatter handelte es sich um einen stadtbekannten Hobby-Ornithologen. Nach Abschluß der Ermittlungen kam völlig unerwartet Emmy von Staudenflüstern in U-Haft. Bereits einige Tage später erfolgte Anklage gegen sie wegen Mordes in einem Fall mit dem Vorwurf der besonderen Heimtücke.


Die Angeklagte wurde dem Schwurgericht in Vogelbach zur Hauptverhandlung überführt. Zum Pflichtverteidiger wurde Dr. Katzenklo bestellt. Den Vorsitz hatte Richter Thier, allseits als 'Papa Gnädig' bekannt, mit den Beisitzenden Richtern Vogel, Dres. Vogeler und Vogelspohl. Die Anklage vertrat Oberstaatsanwalt Maus, in seiner näheren Nachbarschaft nur unter dem Namen  'Katzenhasser' bekannt. Protokollführerin war die Justizangestellte Katzenow, Katzenliebhaberin von Kindesbeinen an. Als Zeuge war geladen Anton von Staudenflüstern. Zum Sachverständigen war Dr. Katzberg bestellt. Als Prozeßbeobachter waren ferner anwesend Vertreter des Tierschutzvereins, von Katzenhilfe e.V., besagter Hobby-Ornithologe und natürlich  reichlich Presse.



Der Andrang vor dem Gerichtssaal war riesig. Schaulustige waren erschienen aus den Orten
Katzdorf, Katzenbach, Katzenberg, Katzeneinbogen, Katzenfurt, Katzenloch, Katzenmoos, Katzensteg, Katzenstein, Katzental, Katzhörn, Katzhütte, Katzow, Katzwang, Katzweller, Katzenwinkel
sowie aus
Mausdorf, Mausendorf, Mausheim, Mausitz und Mausenwinkel.
ferner aus
Tiergarten, Tiergartenbreite, Tierhaupten, Tieringen
und aus
Vogelbeck, Vogelfängerkaten, Vogelheim, Vogelkoje, Vogelsang, Vogelsberg, Vogelsdorf, Vogelsgrün, Vogelstrang, Vogelthal, Vogelviertel.


Die Sache kam zum Aufruf. Es wurde festgestellt, daß alle Geladenen ordnungsgemäß erschienen waren. Der Vertreter der Staatsanwaltschaft verlas die Anklageschrift. Als die Angeklagte sich zur Sache äußern sollte, schüttelte sie einfach nur stumm den Kopf.


Dann wurde der einzige Zeuge aufgerufen. Der Richter belehrte ihn und wies darauf hin, daß er nichts zu sagen bräuchte, womit er sich selbst belasten könnte.


Daraufhin verweigerte Anton von Staudenflüstern komplett die Aussage, hüllte sich fortan in Schweigen und wurde unvereidigt entlassen.


Da der Oberstaatsanwalt merkte, daß seine Anklage nunmehr auf schwachen Beinen stand, zitierte er als weitere Zeugin eine Jungkatze, die den Vorfall angeblich beobachtet haben sollte, herbei.


Aber noch bevor überhaupt deren Personalien festgestellt wurden und sie zur Sache vernommen werden konnte, war sie mit einem Satz auf dem Richtertisch, wirbelte das Corpus delicti und die Akten des Richters durcheinander, sprang auf den Computer der Protokollführerin und miaute ins Mikrofon, so daß die Zuschauer in lautes Gelächter ausbrachen. 


Schließlich wurde der Wachtmeister gerufen, um diese quirlige Zeugin, die anscheinend geistesgestört war und  überhaupt nicht kapiert hatte, um welch ernste Angelegenheit es hier ging, einzufangen und aus dem Gerichtssaal zu entfernen.

Merkwürdigerweise beruhigte sie sich vor dem Gerichtssaal sehr schnell und verhielt sich wieder ganz normal.


Danach erstattete der Sachverständige sein Gutachten. Er kam zu dem  Ergebnis, daß im vorliegenden Fall von Mord mit Heimtücke beim besten Willen nicht die Rede sein kann. Es handele sich um artgerechtes, instinktgetriebenes Verhalten, für das eine Katze nichts könne, weil es in ihren Genen liege und folglich nicht bestraft werden dürfe.


Zum besseren Verständnis des Wesens und der Körpersprache von Katzen empfahl er allen Anwesenden das Buch CATWATCHING von Desmond Morris und legte ein Exemplar dieses Buches mit zwei weiteren Fachbüchern zur Einsichtnahme auf den Richtertisch.


Außerdem, so fuhr er fort, habe der dumme Vogel diesen bedauerlichen Vorfall selbst provoziert. Man könne den Eltern des zu Tode gekommenen Tieres zwar den Vorwurf der Verletzung ihrer Aufsichtspflicht machen. Aber die seien ja schon genug bestraft. Und das würde den Vogel auch nicht wieder lebendig machen. Im übrigen seien Todesfälle dieser Art durch Katzen im Vergleich zu Unfällen durch PKWs oder Windkraftanlagen usw. eher selten. Und letztere würden ja auch nicht strafrechtlich verfolgt.


Der Sachverständige wies überdies eindringlich darauf hin, daß mit einer eventuellen Verurteilung der Angeklagten ein Präzedenzfall geschaffen würde mit unabsehbaren Folgen für die sowieso schon völlig überlastete Justiz.


Die Beweisaufnahme wurde geschlossen. Der Oberstaatsanwalt erhielt das Wort. Die Anklage 'Mord mit Heimtücke' ließ er wegen Mangels an Beweisen fallen und plädierte nunmehr auf Bestrafung wegen fahrlässiger Tötung.


Der Pflichtverteidiger Dr. Katzenklo bezog sich in seinem Plädoyer auf das Ergebnis der Beweisaufnahme sowie auf die Ausführungen des Sachverständigen und beantragte Freispruch.


Die Angeklagte hatte das letzte Wort. Sie erhob sich, wobei sie dem Richter direkt in die Augen schaute. „Hohes Gericht, sehr geehrte Damen und Herren“, begann sie, „meine Vorfahren wurden  von den Menschen für ihre Zwecke mißbraucht und domestiziert, um sich Ratten und Mäuse vom Leib zu halten. Niemand aber hat ihnen oder mir jemals erklärt, was den Unterschied macht zwischen dem Leben einer Maus, einer Ratte und dem eines Vogels.


Übrigens habe ich den Vogel nicht angefaßt und schon gar nicht getötet. Ich bin unschuldig,  beantrage Freispruch und Entlassung aus der Haft.“


Daraufhin zog sich das Gericht zur Beratung zurück. Dann erging

IM NAMEN DES VOLKES
folgendes Urteil:
            
                                         Die Angeklagte wird freigesprochen.
                                         Die Kosten des Verfahrens fallen der Staatskasse zur Last.
                                         Der Haftbefehl wird aufgehoben.

Es wurde allseits auf die Einlegung von Rechtsmitteln verzichtet, so daß das Urteil an Ort und Stelle für rechtskräftig erklärt wurde.


Emmy von Staudenflüstern verließ rehabilitiert und als freies Individuum in Frauchens Arm auf kürzestem Weg das Gerichtsgebäude. Das Frauchen wischte sich unauffällig eine Freudenträne von der Wange. 'Manchmal gibt es doch noch Gerechtigkeit vor Gericht und auf dieser Welt', flüsterte sie Emmy erleichtert ins Ohr.


'Und du, Anton von Staudenflüstern, bist noch einmal davon gekommen', sagte sie in einem ernsten Ton und  kniff ihrem Kater, der gerade  ihre Beine  schmusend  umkreiste,  verschmitzt  ein  Auge zu.


Frauchen war nämlich die einzige Zeugin des bedauerlichen Vorfalls, den sie allerdings nicht hatte verhindern können. Pssst! Damit kehrte bei ihnen endlich wieder die gewohnte Ruhe ein und ihre beschauliche Katzenwelt war wieder in Ordnung.


Eine nicht ganz ernst zu nehmende Geschichte. Es hat mich einfach gejuckt. Ich wollte auch mal etwas über Katzen schreiben, endlich meine Enkelkatzen vorstellen und hoffe, meine Leser haben Humor. 
Übrigens: Ich stand noch nie vor Gericht, bin nicht vorbestraft und schaue auch keine Krimis.


Jetzt nach Fertigstellung meines Posts kommen mir Bedenken und ich frage mich: 
Wen wird das interessieren?
Oder war etwa: 

???

 All meinen Leserinnen und Lesern wünsche ich einen schönen Tag.

Kommentare:

  1. Was für ein Strafgericht, liebe Edith! Es war mir eine helle Freude die Verhandlung zu lesen ;)) allerdings war mir von vorneherein klar, dass der Angeklagte unschuldig war: bei diesen Augen!! Schön geschrieben!! Hab' einen feinen Samstag, Nicole

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  2. Liebe Edith,
    was für ein herrlicher "Strafverfolgungs-Bericht". Ich habe ihn mit Vergnügen gelesen. Die Gerechtigkeit hat gesiegt. Der einzig "Schuldige" war dieser dumme Vogel ;-))). Ein paar Extra-Knuddler an deine herrlichen "Enkel-Katzen".
    Ein schönes Wochenende
    Ursula

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  3. Guten Morgen Edith, deine herrliche Geschichte hat mich direkt zum Schmunzeln gebracht - toll geschrieben und klasse Fotos von den Enkel-Samtpfoten.
    LG und ein schönes WE, Marita

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  4. Ja, da das Opfer leider keinen Piep mehr von sich geben kann - und somit auch nicht über den Tathergang befragt werden kann - ist im Zweifelsfalle immer von der Unschuld des Angeklagten auszugehen. :-) Katz, merk Dir also: Friss das Opfer auf, dann kann es Dich nicht mehr belasten.
    Viele Grüße und vielen Dank für diese nette Geschichte. Wieso nennst Du die Katzen eigentlich "Enkelkatzen"? Hattest Du schon die Großeltern der Katzen bei Dir?
    Ein wunderbares Wochenende wünscht Dir
    Jaelle Katz

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  5. Liebe Jaelle, danke für Deinen Kommentar. Zu Deiner Frage: Ich habe ein Enkelkind von meinem Sohn und zwei Katzen, also Enkelkatzen, von meiner Tochter, bin also einmal richtige Oma und zweifache Katzen-Oma.

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  6. Liebe Edith,
    eine tolle Geschichte! Einfach druckreif! - Ich mußte lachen! Und die gelben Augen - besonders auf einem der Bilder! Die Idee mit dem roten Kranz ist auch süß!
    Die armen Vögel tun mir trotzdem immer leid. Wenn die Katzen sich - in der Natur - dann ausschließlich von Vögeln und Mäusen ernähren würden .... aber meist 'spielen' sie die armen Tierchen nur tot und das ist schade.

    Liebe Grüße
    Sara

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  7. Na ihr Fusselkatzen, da habt ihr ja eine Verhandlung hinter euch! Schöne Geschichte.
    Ich hätte da mal zwei Fragen: Wie oft werden sie gekämmt und dürfen sie raus?

    Sigrun

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    1. Es sind Freigänger. Dank Katzenklappe können sie kommen und gehen, wann immer ihnen danach ist. Weil sie (lt. meiner Tochter) kein Unterfell haben, sehen sie ohne Kämmen immer gepflegt aus. Das Fell wird nur regelmäßig nach Zecken abgesucht.

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  8. Herrlich. :) :) :) Du scheinst dich aber in Gerichtssachen gut auszukennen. ;)

    Schönes Wochenende
    Margrit

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  9. Ich wusste gar nicht, wo ich hingucken sollte, auf die wundervollen Katzenbilder oder gleich auf die Fortsetzung der spannenden Geschichte... Sehr vergnüglich, liebe Edith! Liebe Grüße Ghislana

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  10. Jetzt hab ich gar nicht vorbeigeschaut wegen der Katzengeschichte ( als Vogelliebhaberin habe ich da auch so meine Schwierigkeiten ), sondern weil mir dein Kommentar zu Lottas Post zur Menschenwürde so gefallen hat ( und ich ihn so hätte auch schreiben können ). Ich hatte gemutmaßt, dass du zum Thema auch bei dir geschrieben hast.
    Einen schönen Sonntag!
    Astrid

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  11. Lottas Thema, liebe Astrid, 'brodelt' noch in meinem Kopf, besonders die Worte 'Manipulation, sensationswütig, keine Tabus, Foto-Journalisten vor Ersthelfern' und insbesondere 'wir kennen die letzten Worten des Kindes nicht...' Die Worte eines unter Schock stehenden Mannes, der alles verloren hat, was sein Leben ausmachte, anzuzweifeln, machen mich sprachlos, sind diese Worte doch so typisch für ein Kind, das den Schrecken in den Augen des Vaters sieht und ihn trösten möchte. Auch der Vater hat eine Menschenwürde und die möchte ich nicht ankratzen. Für mich sind Kriegsberichterstatter seriöse Journalisten und keine Boulevardjournalisten und ich stelle deren Fotos nicht auf die Stufe von Paparazzifotos.
    Mein Blog, liebe Astrid, ist ein Gartenblog. 'Schwere Kost' möchte ich hier eigentlich nicht anbieten. Die Katzengeschichte war schon seit längerem fertig geschrieben. Einen schönen Sonntag und liebe Grüße Edith

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    1. In allem d'accord, liebe Edith! Auch, dass dein Blog ein Gartenblog sein soll ( meiner war mal ein Nähblog, anfangs ). In diesen schweren Zeiten ( und bei mir sind sie ja auch persönlich seit zwei Jahren sehr schwer ) benötigt man kleine Inseln der Freude & Entspannung, sonst geht irgendwann gar nichts mehr, denn in unserem Alter muss man die Kräfte gut einteilen...
      Alles Liebe!
      Astrid

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  12. *Lautlach*
    Köstliche Geschichte und wunderschöne Bilder von deinen felligen Schönheiten.

    ∗♥∗✿❊✿❊✿∗♥∗
    Herzlich grüßt
    Uschi

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  13. Hallo Edith, was für eine herrliche Geschichte ist diese Gerichtsverhandlung! Eine super Idee! Diese Aufmunterung konnte ich jetzt gut brauchen; meinem Kater gehts grad nicht so gut und wir gehen gleich zum Tierarzt.
    LG Esther

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  14. Ich bin auch für Freispruch... können diese Augen lügen.
    Danke liebe Edith, für diese zauberhafte Katzen-Geschichte. Wunderbar erzählt. Du solltest Gerichtsreporterin werden.
    LG Rita

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  15. Hallo Edith!
    Köstlich!
    Wunderbar in Worte gefaßt hast du diesen Vogelmord, der mit einem Freispruch endete!
    Zum Glück konnten den Angeklagten keine niederen Beweggründe zur Last gelegt werden!
    Aus diesen tollen Fotos eine spannende Geschichte zu basteln, das ist dir hervorragend gut gelungen!
    LG Heidi

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  16. Liebe Edith,
    ich habe mich gerade wirklich gekugelt vor Lachen, herrlich dein Gerichtsverfahren, und ich bin sehr erleichtert über den Freispruch hi,hi.
    Liebste Grüße Sandra

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  17. Liebe Edith,
    nach Deinem Besuch auf einem unserer anderen Blogs kam ich nun nochmals zurück und wollte - was war das eigentlich? Denn da entdeckte ich Dein Label 'alles für die Katz' - herrlich ;-)) Und natürlich war ich von dem grauen Wesen mit dem etwas längeren Fell total begeistert und wollte schon fragen, ob da eine Nebelung in der Nachbarschaft oder bei Euch wohnt. Aber nun hat es sich beim Scrollen ja geklärt, dass die Fotos täuschen und Euer Garten von größeren Katzen erobert wird.
    Da habe ich durch meine lange Blogpause hier wohl wirklich noch viel nachzulesen, denn wenn Du das Buch Catwatching zur Verteidigung auf den Richtertisch legst, ist das ganz nach meinem Geschmack :-)
    Und da es sehr zeitraubend ist in die Tiefen unserer Blogs vorzudringen, lasse ich mal den Link zu unserer Buchvorstellung 'Warum Katzen malen …' hier. Denn das Buch kennst Du ja sicherlich auch! http://schneiderhein.blogspot.de/2008/01/warum-katzen-malen.html
    Liebe Grüße und bis demnächst. Denn jetzt müssen wir uns dringend mal wieder um unsere echten grauen Katzen kümmern …
    LG Silke

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