Dienstag, 18. August 2015

Es ist, wie es ist.


Ich singe weder in der Badewanne noch unter der Dusche. Eigentlich singe ich überhaupt nicht.


Aber legt man mir ein Kind in den Arm, geschieht 'es' wie von allein. Und es gibt einige in meiner Familie, die 'ein Lied davon singen' können.


Die zweite Ausnahme ist ein Stoppelfeld. Ja, Ihr habt richtig gelesen, ein Stoppelfeld. Es ist ein 'abgeerntetes' Kornfeld, auf dem nur noch die Stoppeln stehen.


Sehe ich ein Stoppelfeld, geht mir sofort und automatisch das Herbstlied 'Bunt sind schon die Wälder, gelb die Stoppelfelder...' durch den Kopf und nicht mehr aus dem Sinn. Meistens singe oder pfeife ich es dann den ganzen lieben langen Tag.


Merkwürdigerweise werden zu dem Text und der Melodie auch gleich die passenden Bilder mitgeliefert: unbeschwerte Kindheit in einem kleinen Dorf in Schleswig-Holstein, barfuß auf piksigen Stoppelfeldern unterwegs, um den Jungen zuzuschauen bei ihren Versuchen, selbst gebaute Drachen steigen zu lassen...


In den letzten Wochen bin ich an etlichen von der Sonne golden beschienenen Stoppelfeldern vorbei gefahren, wenn ich mit dem Auto unterwegs war. Nie ergab sich die Möglichkeit zum Anhalten und Fotografieren.


Ich bin ein Typ, der nicht gerne zweimal denselben Weg geht oder fährt. Als ich in der letzten Woche von einem Termin - mal wieder ohne Navi - nach Hause fuhr und dabei einen neuen Weg wählte, landete ich plötzlich in der Walachei.


Ich machte große Augen und wußte sofort: Das ist kein Zufall, sondern Fügung.


Endlich! Endlich konnte ich Stoppelfeldfotos für meinen Gartenblog machen, keine weltbewegenden mit spektakulärem Himmel, aber immerhin Stoppelfeldbilder, die mich an meine Kindheit erinnern.


Während ich sie mir jetzt so anschaue mit den Windkraftanlagen im Hintergrund und den dicken Strohballen, wird mir klar, daß nichts mehr so ist wie früher.


Wer weiß eigentlich heute noch, wie es 'damals' war?


Die Männer schnitten mit Sensen das Korn. Die Frauen formten es und banden daraus Garben, die zeltartig zusammengestellt wurden, um nach dem Abtrocknen auf der Tenne gedroschen zu werden.


Für alle war es eine anstrengende Arbeit unter gleißender Sonne.


Heute machen im allgemeinen Mähdrescher die Arbeit in einem Arbeitsgang und speien die zu riesigen Rollen  gepressten und bereits verpackten Strohballen zum Abtransport aus.


Wenigstens die letzten vier Fotos erinnern noch ein bißchen an früher.


Hier ist der Bauer noch selbst und mit kleinerem Gerät bei der Arbeit.


Herbstlied
Bunt sind schon die Wälder
(deutsches Volkslied)
                           Text: 1782 vom Schweizer Dichter Johann Gaudenz von Salis Seewis

Bunt sind schon die Wälder,
gelb die Stoppelfelder,
und der Herbst beginnt.
Rote Blätter fallen,
graue Nebel wallen,
kühler weht der Wind.

Wie die volle Traube
aus dem Rebenlaube
purpurfarbig strahlt!
Am Geländer reifen
Pfirsiche, mit Streifen
rot und weiß bemalt.

Flinke Träger springen,
und die Mädchen singen,
alles jubelt froh!
Bunte Bänder schweben
zwischen hohen Reben
auf dem Hut von Stroh.

Geige tönt und Flöte
bei der Abendröte
und im Mondesglanz;
junge Winzerinnen
winken und beginnen
frohen Erntetanz.

Ja, die Stoppelfelder sind gelb und nach der großen Hitze ließen auch in meinem Garten einige Sträucher schon Blätter fallen. Aber ich hoffe doch sehr, daß es noch ein wenig dauert, bis ich sagen kann 'bunt sind schon die Wälder'; denn dann ist es wirklich Herbst.

All meinen treuen und den neu hinzu gekommenen Lesern wünsche ich einen schönen Tag.

Kommentare:

  1. Guten Morgen liebe Edith,
    schön, sehr schön, Stoppelfelder sind für mich immer Weite, Freiheit und ein wilder Galopp-Ritt vor .... oh je ... vielen Jahren! Aber danke, auch ich habe Erinnerungen, die schön sind und die du wachgeküsst hast.
    Hab eine feine Zeit
    Elisabeth

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  2. Klar weiß ich noch, wie es damals war - es gibt ja Bücher darüber, zum selber erleben bin ich noch zu jung. Oh, ich bin mal fürs was zu jung. Übrigens erinnern mich deine Fotos an September in Aberdeenshire, da sah es genau so aus. Alles für die Whiskyproduktion!

    Sigrun

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  3. Guten Morgen Edith, diese Eindrücke habe ich auch tagtäglich vor Augen, die Bauern hier auf dem Land mähen bzw. lassen hauptsächlich durch Lohnunternehmen ihre Felder abernten. Ich erinnere mich noch gut an die selbstgebauten Drachen, die wir in Kindertagen auf dem Stoppelfeld nebenan steigen ließen. Danke für die schönen Impressionen, die mich - schon etwas wehmütig - auf Spätsommer und herannahenden Herbst einstimmen. Aber auch diese Zeiten im Jahresverlauf liebe ich sehr.
    Einen schönen Tag wünsche ich dir, LG Marita

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  4. Liebe Edith,
    ein toller Post. Ich fand ihn herrlich und du hast mich richtig mitgenommen in die Vergangenheit. Fast kann man all die fleißigen Menschen sehen die mit Sense und Kopftuch ihr täglich Brot so hart erarbeiteten. Ich habe ja eine Schwäche für Heimatfilme ect. aber pssst..Manchmal denke ich es würde vielen von uns gut tun noch körperlich so hart in der Natur zu arbeiten, ich glaube dann gebe es viele Probleme in unserer heutigen Gesellschaft nicht. Abends nach getaner Arbeit in ein großes Haus heimkommen in dem alle Generationen unter einem Dach leben und jeder für jeden da ist, so ganz selbstverständlich.
    Ach herrje ich schweife ganz schön ab, alles in allem wieder tolle Fotos und Gedanken von dir.
    Wünsche dir eine gute Zeit
    Liebe Grüße Sandra

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  5. Liebe Edith,
    mit deinen schönen Bildern hast du ganz viele Erinnerungen in mir geweckt. Ich war zwar nie bei der Getreide-Ernte, aber im Heu war ich früher oft. Durch meine Verwandten im Schwarzwald habe ich diese Arbeit kennen gelernt. Ganz früher schnitten die Erwachsenen noch das Gras mit der Sense. Da kann ich mich aber nicht mehr dran erinnern. Ich kenne es, wenn es mit der Schneide-Vorrichtung vom Trecker aus geschnitten wurde. Wir Kinder rechten es zu "Maden", nach ein paar Tagen zu "Haufen". Dann gab es Holzgestelle, die ähnlich wie ein Indianerzelt zusammen gestellt wurden. Da kam das angetrocknete Gras drauf, um völlig zu trocknen. Das Heu wurde nicht zu Ballen gepresst, schon gar nicht zu diesen Monster-Rollen, die man heute so hat. Mit einer Gabel wurde es auf den Hänger geladen. Ich kann mich an dicken Blasen an den Händen erinnern. Wenn die Hitze zu groß war, wurden meine Kusine und ich zum Essenkochen ins Haus beordert. Da durften wir nicht mehr mit aufs Feld. Wenn wir uns abends umgezogen hatten, rieselte noch einiges an Heu aus unseren Sachen heraus. Wenn das Heu in der Scheune war, machte es einen Heidenspass, mit einem Salto von oben in die untere Etage zu springen. Allerdings war das nicht wirklich erlaubt ;-))).
    Es war eine schöne Zeit. Nun ist eine andere Zeit, aber die schönen Erinnerungen bleiben.
    Viele liebe Grüße
    Ursula

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    1. Schön, liebe Ursula, daß Du das mit dem Heu noch geschrieben hast. Auch ich erinnere mich daran, daß wir immer in die untere Etage gesprungen sind. Was die Jungen an tollkühnen und halsbrecherischen Sprüngen ausprobierten, hätten unsere Eltern nicht sehen dürfen. Aber es ist immer alles gut gegangen. LG Edith

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  6. Hallo Edith,
    ich kenne das Herbstlied auch noch aus meiner Kindheit. Die dekorativen Strohballen auf den abgeernteten Feldern stimmen mich ein wenig wehmütig, denn sie zeigen, dass der Sommer zu Ende geht.
    Liebe Grüße von Ingrid

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  7. Deine Fotos strahlen eine unglaubliche Ruhe aus. Und durch deine Beschreibung sieht man (ich) das Ganze vor sich.

    Viele Grüße
    Margrit

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  8. Liebe Edith,
    wunderschöne Bilder sind das. Bei uns gibt es nicht so viele Kornfelder. Aber in unserem Heustall türmen sich im Herbst auch die Strohballen , welche wir aus Deutschland geliefert bekommen.
    Liebe Grüße,
    Christine

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  9. Liebe Edith,
    ich musste eben herzhaft lachen, dass Du lieber ohne Navi neue Routen fährst. Auf meiner Strecke von Hannover nach Braunschweig oder umgekehrt habe ich schon so manche Baustelle, Stau oder Umleitung mitgenommen - und habe durch experimentelles Fahren auch so manche neue Strecke kennengelernt. Es stimmt wirklich, dass es dann so manches Mal interessante neue Eindrücke am Wegesrand gab. Nur habe ich mich bisweilen ganz schön dabei vertrödelt - auch ohne Kamera ;-)
    Zum Glück haben die Maisfelder auf meiner Strecke wieder etwas abgenommen. Aber ich habe noch nie zuvor erlebt, dass es auf den Feldern beim Mähen so staubte …
    LG Silke

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  10. Liebe Edith, das sind wirklich Bilder zum Träumen und Genießen - einfach wunderbar. Bei uns in der Nähe gibt es nicht viele solcher Felder, eigentlich sehr schade.

    lg kathrin

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  11. OHHHH san des tolleee BUIDLN,,,
    und im GEGENSATZ zu DIR,,,
    sing i andauert,, zwar falsch;;;; ABER mit INBRUNST..ggggg
    hob no an feinen ABEND
    und DANKE für de liaben WORTE
    bussale bis bald de BIRGIT

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