Sonntag, 30. August 2015

Eigentlich war ich der Meinung,

daß mir zum Thema FREUNDSCHAFT, über das sich Lotta in ihrem Blog Anfang August Gedanken machte, nichts einfallen würde. Doch dann mußte ich an eine mir bekannte nicht alltägliche Geschichte aus meinem Umfeld denken, an eine Geschichte über Liebe und Freundschaft. Und diese erzähle ich Euch jetzt.


Nachdem sie sich zum erstenmal gesehen hatten, verkündete er, daß er das Mädchen getroffen habe, das er heiraten werde. Davon wußte sie zunächst allerdings nichts. Ab da holte er sie jeden Tag vom Büro ab, ging mit ihr ins Kino, machte mit ihr lange Spaziergänge und unterhielt sich mit ihr über Gott und die Welt in seiner ruhigen Art, die ihr gefiel. Sie hatte gerade ihr Examen gemacht, mußte sich beruflich neuen Herausforderungen stellen und sich auch privat in ihrer Familie einbringen. Eigentlich hatte sie ziemlichen Stress und schätzte an ihm die Ruhe, die er ausstrahlte. Ihn faszinierte ihr Elan und ihre Begeisterungsfähigkeit. Er war sowieso der Überzeugung, daß Gegensätze sich anziehen. Es kam, wie es kommen mußte. Aus Freundschaft wurde Liebe.


Sie heirateten, bauten ein Haus und gründeten eine Familie. Alles schien perfekt. Doch dann kam ein Schicksalsschlag, der die Beziehung auf eine harte Probe stellte. Sie fühlte sich von ihm allein gelassen und dachte zum erstenmal an Trennung.


Aber das Leben ging weiter. Sie managte Haushalt, Familie, Finanzen, hielt ihm den Rücken frei und kehrte schließlich wieder ins Berufsleben zurück.

Als die Kinder flügge wurden, dachte sie, daß nun eine neue Zeit anbricht, eine Zeit der neu entdeckten Zweisamkeit. Doch er  spielte dieses Spiel nicht mit, so daß es zwischen ihnen zu einer Sprachlosigkeit kam, die schließlich in einem großen Schweigen endete.


Für ihn gab es nur Essen, Schlafen, Fernsehen. Das war sein Leben. Und das war ihm genug. So hatte sie sich das Leben nicht vorgestellt. Sie wollte unter Menschen sein, ab und zu mal ins Theater, ins Kino oder ins Restaurant gehen. Fehlanzeige, aber das könne sie ja allein machen.

Trauer, Enttäuschung, Wut und Ratlosigkeit auf ihrer Seite. Der Zufall wollte es, daß sie eines Tages Zeugin wurde, wieviel Spaß das Leben jenseits der Fünfzig noch machen konnte. Das ging ihr nicht mehr aus dem Kopf. Und irgendwann kam sie zu der Erkenntnis, daß sie diesen Mann nicht ändern kann. Aber sie könnte sich ändern. Und das machte sie.


Doch dann geschah etwas, das nicht eingeplant war. Sie begegnete einem Mann, der ihr sagte, daß sie vom ersten Augenblick an sein Herz berührt habe. Für sie fühlte es sich an, als wäre ihr ihre Würde als Frau neu geschenkt worden. Sie verlangte die Trennung.


Es gab nie ein böses Wort. Und eigentlich war es sogar eine Erleichterung für beide. Ihre Enttäuschung ihm gegenüber war weg. Er konnte weiterhin das machen, was er am liebsten tat, ohne daß ihn jemand vorwurfsvoll ansah.

Gegensätze ziehen sich auf Dauer nicht an. Sie trennten sich, sind aber eine Familie geblieben und füreinander da, wenn es drauf ankommt. Und sie fanden schließlich auch aus ihrer Sprachlosigkeit heraus.

Aus enttäuschter Liebe ist ein freundschaftliches Miteinander entstanden. Da es sich für beide richtig anfühlt, sollten wir auch keine Probleme damit haben.

Wir sind immer nur Zuschauer von außen. Was sich zwischen zwei Menschen wirklich abspielt, wissen nur diese beiden.

Ich wünsche all meinen Leserinnen und Lesern einen schönen Tag.

Kommentare:

  1. Liebe Edith,
    eine schöne Geschichte, traurig und dann auch wieder nicht. Ganz besonders finde ich die Untermalung mit den wundervollen Fotos, dadurch entstand genau der richtige Flair.
    Wünsche dir einen schönen Sonntag
    Liebste Grüße Sandra

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  2. Liebe Edith,
    eine Geschichte, die zum Nachdenken anregt. Letztlich geht sie ja gut aus. Wir haben nur das eine Leben.
    Und die Fotos, die du ausgesucht hast, passen perfekt.

    Schönen Sonntag
    Margrit

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  3. Wie gut, dass es so gehen kann..., und nie zu spät ist, über alle Verletzungen und Enttäuschungen hinweg. Schön zu lesen, dass es so etwas im wahren Leben geben kann und gibt. Liebe Grüße Ghislana

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