Freitag, 24. Juli 2015

Menschen und ihre Gärten: Ein Garten mit einer besonderen Aura...

Es fühlte sich für mich so an, als wolle dieser Garten mit seinen Figuren mir zuflüstern: 'He, wir kennen dich und wissen Bescheid über dich und dein Leben'.




Aller guten Dinge sind DREI. Das sagt man so. Dennoch möchte ich Euch nach drei vorgestellten Gärten noch von einem vierten erzählen. Warum? Das ist schwer zu erklären.

Schon beim Betreten dieses Gartens mußte ich schmunzeln, als ich den 'Tagträumer' auf dem Boden liegend sah, sorglos in den blauen Himmel schauend. Ich erkannte mich da selbst, hatte ich vor kurzem doch meinen ersten als Kind bewußt erlebten Sommer beschrieben. Meine Mutti entdeckte mich im hohen Gras auf einer Wiese liegend und bezeichnete mich als ein 'sonderbares' Kind.




Die 'Tanzenden Elfen' gleich darauf spiegelten mich in meinem Hier und Jetzt, während die 'Seiltänzerin' mich schlagartig in die traurigste Zeit meines Lebens zurück versetzte. Aber gleich danach beim 'Himmelsstürmer' war ich wieder Kind: fröhlich, temperamentvoll, mutig und wild wie ein Junge. Und beim Teich schließlich fühlte ich mich angekommen.




Was war passiert? Ich betrat diesen, einen etwas 'anderen' Garten. Als erstes fiel mir auf, daß hier auch Giersch seinen Platz hatte und eine Wildform von Salbei. Als ich mich den tanzenden Elfen näherte, huschte ein Lächeln über mein Gesicht. Mich durchfuhr eine tiefe Freude, wie ich sie empfinde, wenn mein Enkel mir mit seinem fröhlichen Oma-Geschrei entgegenkommt.

Ich ging weiter und kam zur Seiltänzerin. Und meine innere Stimme sagte plötzlich: "Ja, genau so war es damals. Ich fühlte mich wie eine Seiltänzerin, die jeden Moment abzustürzen droht." Nach dem Krebstod meines kleinen Sohnes konnte ich mich lange Zeit nicht entscheiden, ob ich weiterleben oder lieber sterben und zu ihm wollte.




Dieser Moment der Traurigkeit verflog, als ich schon von weitem den Himmelsstürmer auf seiner Tonne sah. Ich hatte gerade meine 'Erinnerungen gegen das Vergessen' beendet. Darin berichtete ich unter anderem auch von einem immer wiederkehrenden Traum während meiner Schulzeit. Dort heißt es: 'In all diesen Jahren hatte ich immer wieder denselben Traum: Es klingelte zur Pause. Ich lief mit ausgebreiteten Armen zum Ausgang, stürmte die Stufen hinunter und hob dabei ab zum Fliegen. Alles in mir jubelte: DAS LEBEN IST SCHÖN!' Ich mag diesen Himmelsstürmer mit seiner kunstvoll geflochtenen Hose, den Hosenträgern und seinen an den Armen befestigten 'Flügeln'.




Und dann wurde es plötzlich ganz romantisch. Ich betrat einen verwunschenen, geheimnisvollen Ort. Ich kann sowieso stundenlang in den Himmel, in meinen Garten, aufs Meer oder auf diesen stillen Teich schauen. Dann bin ich ganz bei mir selbst. Durch Licht und Schatten veränderte sich ständig das Farbspiel auf der Wasseroberfläche. Ich konnte mich von diesem Ort nur schwer verabschieden, weil er so schön ist.




Und dann entdeckte ich sie, zwei Engel, in einem Baum hängend, die uns die Lebensfreude überbringen. Sie reagierten auf jedes Lüftchen und waren ständig in Bewegung, einfach zauberhaft. 'Wenn du bei Nacht den Himmel anschaust, wird es dir sein, als lachten alle Sterne, weil ich auf einem von ihnen wohne, weil ich auf einem von ihnen lache'. So steht es im KLEINEN PRINZEN. Mit der Hoffnung, daß auch unser Engel dort oben seinen Platz gefunden hat und wieder lachen kann, kehrte meine Lebensfreude seinerzeit langsam wieder zurück.




Zwei durch den Garten tollende kindliche Figuren erkor ich zu meinen Lieblingen. Sie erinnerten mich an 'Brüderchen und Schwesterchen'; denn auch ich habe einen älteren Bruder, der zu meinen Kindheitserinnerungen gehört.

Ich bedankte mich bei der kreativen Gärtnerin, die im Gespräch mit einem anderen Gartenbesucher war, und ging Richtung Ausgang.

'Den Garten des Paradieses
betritt man nicht mit den Füßen,
sondern mit dem Herzen.'

 Bernhard von Clairvaux




Während der ganzen Heimfahrt spürte ich noch die besondere Aura dieses Gartens mit seinen aus Naturmaterialien gefertigten kindlichen Figuren, die mich auf seltsame Weise  berührt hatten. Auf der Suche nach einer rationalen Erklärung für diese unerwartete emotionale Wirkung auf mich kam bei mir schließlich dieser Gedanke auf: Kann es vielleicht sein, daß da jemand anderes mit seinem Garten und den Figuren über sich und sein Leben erzählte und es rein zufällig Parallelen zu dem meinen gibt...?

  'Das schönste Erlebnis ist
die Begegnung mit dem
Geheimnisvollen'

Albert Einstein

Dabei möchte ich es belassen und damit auch diesen 'Gartenbesuch' beenden.




Für die Leser, die sich nun fragen, weshalb es zu diesem Text keine Fotos der entsprechenden Figuren und weiteren Informationen gibt: Ich habe mich dazu entschieden, weil meine Anfrage, ob ich über den Garten in meinem Gartenblog schreiben darf, unbeantwortet blieb.

All meinen Lesern wünsche ich einen schönen Tag.


Kommentare:

  1. Oh, liebe Edith...habe ich das richtig gelesen...du hast einen Sohn verloren...? Das tut mir sehr leid! Der Garten scheint ein verwunschner zu sein...;-). LG Lotta.

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  2. Liebe Edith, sehr traurig, was Dir da passiert ist. So etwas schmerzt wohl ein Leben lang. Der Garten scheint wirklich sehr verwunschen zu sein und hast ihn toll beschrieben.

    lg kathrin

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  3. Liebe Edith,
    jetzt fällt mir das Atmen schwer und die Finger hängen wie gelähmt über der Tastatur. Da Fehlen die Worte, da kann man nichts sagen - außer meine große Bewunderung dafür, wie du dich diesem Schicksal stellst! Ich bin tief beeindruckt.
    Alles nur erdenklich Gute und die Kraft, die du brauchst
    Elisabeth

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  4. Liebe Edith,
    ein tief bewegender Beitrag.
    Alles Liebe und Gute
    Ursula

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  5. Liebe Edith, dein Beitrag hat mich sehr bewegt - ein verwunschener Ort, der Garten - alles Liebe und Gute für dich.
    GlG Marita

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  6. Liebe Edith, es tut mir sehr leid dass du einen Sohn verloren hast. Jetzt verstehe ich auch die Art, wie du manchmal schreibst. Das ist ein Schmerz, der ein Leben lang anhält. Der Garten, den du besucht hast, war sicher genau der, den du gebraucht hast, sonst wärst du nicht dortgewesen. Er ist geheimnisvoll und verwunschen.

    Sigrun

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  7. Liebe Edith,
    dein Post hat mich sehr berührt. Es tut mir sehr leid, daß du deinen Sohn verloren hast. Bedauerlich, daß sich die Gartenbesitzerin nicht gemeldet hat, das muß ein zauberhafter Garten sein.
    Alles Liebe
    Kathinka

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  8. Heute morgen rief mich die Gartenbesitzerin an. Um Euch zeigen zu können, daß dieser Garten mehr zu bieten hat als die 'Seiltänzerin', die wahrscheinlich nur bei mir diesen traurigen Moment auslöste, den ich aber nicht einfach 'unterschlagen' konnte, werde ich demnächst den Original-Post, der noch auf 'Entwurf' liegt, mit vielen schönen Fotos veröffentlichen. Und dann vergeßt bitte 'meine Seiltänzerin' und schaut einfach auf den Garten und die Figuren, die so viel Lebensfreude ausstrahlen. Ich danke Euch von Herzen für Eure lieben Kommentare. Mit den Jahren verändert sich die Trauer in ein 'Danke, daß es dich gab'. Edith

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