Mittwoch, 8. April 2015

Die 'deutsche Schrift', die neue Rechtschreibung und das 'Gärteln'...





Wenn es um handschriftliche Notizen, Aufzeichnungen oder Briefe berühmter, verstorbener Persönlichkeiten geht, ist die junge Generation meist damit überfordert, diese 'deutsche Schrift' (Kurrent und seit 1914 Sütterlin) zu entziffern. Und als 1941 die 'lateinische Schrift' eingeführt wurde, weigerten sich unsere Eltern und Großeltern, sich schon wieder umzustellen, wie ich mich konsequent gegen die neue Rechtschreibung wehre, die mir persönlich völlig fremd und unlogisch erscheint. Das geht so weit, daß ich mich beim Lesen von Artikeln gar nicht so recht auf den Inhalt konzentrieren kann, sondern mich immer wieder an der Schreibweise bestimmter Wörter störe. 

Weil man es aber mittlerweile in allen Katalogen so sieht, schreibe auch ich das Wort 'Stengel' neuerdings mit 'ä', obwohl sich dabei meine Nackenhaare aufrichten und ich mich frage: „Kommt das eigentlich von Stange? Und wird man demnächst 'denken', 'schenken' auch mit 'ä' schreiben wie 'kränken' oder 'Engel', 'Bengel' mit 'ä' wie 'Mängel'? Wie wär's eigentlich mit 'Änte'? Quak, quak.“

Für mich persönlich ist einzig und allein, was die Rechtschreibung und die Schreibweise von Fremdwörtern angeht, nach wie vor 'Der Große DUDEN' von 1966 bzw. 1967 maßgeblich.




Apropos: Mein Rechtschreibduden fiel kürzlich zu Boden und blieb dort mit aufgeschlagener Seite liegen. Da ich bei solchen Gelegenheiten nicht an Zufall, sondern an Fügung glaube, wollte ich wissen, was mir diese Seite zu sagen hatte.

Mein erster Blick fiel spontan auf das Wort 'gärteln'. In Klammern wird dieser Begriff dort erklärt mit 'Süddeutsch: Gartenarbeit aus Liebhaberei verrichten'. Und ich fragte mich: 'Gärtele ich eigentlich auch? Ja,... doch,... wenn ich Schneeglöckchen teile, Bärlauch ausgrabe, Radieschen säe und Vergißmeinnicht verpflanze, könnte man das so nennen.'

Heute aber sollte sich meine Meinung dazu gründlich ändern. Unter anderem wächst seit vielen Jahren in meinem Vorgarten die Fetthenne (Sedum telephium 'Herbstfreude'). In den ersten Jahren freut man sich, daß die Pflanze trotz ihrer Anspruchslosigkeit so gut wächst und blüht, bis ich im vergangenen Jahr feststellen mußte, daß meine Inkarho Rhododendren von ihr so stark bedrängt wurden, daß die unteren Blätter vergilbten und schließlich abfielen. Ein Rhododendron sah so elend aus, daß ich ihn sogar entsorgen mußte. Also beschloß ich: Diese Fetthennen müssen dort weg.




Nach langem Hinaussschieben sollte das nun heute vormittag geschehen. Im Keller schnallte ich mir vorsorglich mein Stützkorsett um und begann mit der Arbeit. Als ich die erste Pflanze ausgegraben hatte, mußte ich sie mit dem Spaten vierteilen, um sie Stück für Stück in die Garage tragen zu können. Und ich benötigte einen großen Malereimer voll Erde, um den 'Bombentrichter' aufzufüllen. An diese Stelle setzte ich Tulpen, deren Zwiebeln ich schon im vergangenen Herbst zu diesem Zweck in Töpfe gepflanzt hatte, weil ich dachte, daß die Tulpen nach der Blüte ja einziehen und, falls sie überhaupt noch ein zweites Mal zum Blühen kommen, deren Zwiebeln meine Rhododendren im Sommer nicht bedrängen können.




Und nachdem ich vier dieser 'fetten Hennen' ausgegraben, fortgeschafft und die Tulpen eingepflanzt hatte, distanziere ich mich hiermit ausdrücklich von dem Wort 'gärteln'. Das war eine Mordsplackerei, die einfach gemacht werden mußte, die mir alles abverlangte und mit Liebhaberei nichts zu tun hatte, auf die ich gut und gerne verzichten könnte und die ich auf keinen Fall mit dem süddeutschen Wort 'gärteln' verniedlichen möchte...!




Das alles mußte mal gesagt werden..

( P.S. Nachdem dieser 'Neue Post' im 'Entwurf'' fertiggestellt war und ich mir eine wohlverdiente Ruhepause gegönnt hatte, kommt mir jetzt beim erneuten Lesen spontan der Gedanke, daß es mit der körperlich schweren Gartenarbeit eigentlich wie mit dem Kinderkriegen ist: Nach ein paar Stunden sind alle Strapazen vergessen und man freut sich über das Ergebnis).

Einen schönen Tag wünsche ich all denen, die 'Gartenarbeit aus Liebhaberei verrichten'!




Kommentare:

  1. Liebe Edith,
    mir gefallen deine Gedanken zur neuen deutschen "Recht"-Schreibung, zum "Gärteln" und zur "Mordsplackerei" ;-))).
    Viele liebe Grüße
    Ursula

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  2. Liebe Edith,
    mir gefallen deine Gedanken zur neuen deutschen "Recht"-Schreibung, zum "Gärteln" und zur "Mordsplackerei" ;-))).
    Viele liebe Grüße
    Ursula

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  3. Liebe Edith,
    mir ist die neue Rechtschreibung bis heute ein Gräuel, vielleicht liegt das auch daran, dass ich den Sinn nie verstanden habe und es war ja auch keine Reform, sondern vielmehr ein Hickhack und ich weiß auch nicht, warum sowas Politiker beschließen müssen, ich dachte immer, die hätten andere Aufgaben.
    Ich wünsche Dir nochmals ein schönes Wochenende.

    Viele liebe Grüße
    Wolfgang

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    1. Lieber Wolfgang,
      wie schön, dass Du diesen Artikel gefunden und kommentiert hast. Er stammt aus einer Zeit, als kaum jemand wußte, dass es 'Staudenflüstern' gibt.
      Liebe Grüße
      Edith

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