Sonntag, 12. April 2015




Als ich im vergangenen Jahr auf einer privaten Staudenbörse war, fragte mich eine Reporterin, die darüber einen Bericht für die Tageszeitung schreiben wollte, weshalb ich hier Pflanzen 'verkaufen' würde.

Ich berichtigte sie und sagte, ich würde keine Pflanzen 'verkaufen', sondern 'verschleudern'. Vor allem wären dafür zwei Gründe ausschlaggebend: Erstens gefällt mir die Vorstellung, dass Pflanzen, die ich herangezogen habe, in den Gärten mir fremder Menschen wachsen würden, wie ich es auch gerne habe, mich beim Anblick bestimmter Pflanzen in meinem Garten an Menschen oder an Situationen zu erinnern.

Zweitens bin ich beeindruckt, wenn schon junge Leute dieses tolle Hobby für sich entdeckt haben, was ich gerne mit einem günstigen Preis honoriere. Und wenn ich merke, dass sie rechnen müssen, ob sie sich nun eine oder zwei Pflanzen leisten können, gebe ich gerne mal eine gratis dazu. Das verblüffte Lächeln bedeutet mir mehr als ein Euro im Portemonnaie.

Und anstatt mich heute morgen bei herrlichstem Sonnenschein an Menschen zu erinnern, mußte ich plötzlich an eine längst verjährte Begebenheit denken. 'Tatort' war der Wald rund um Bad Homburg. Ich holte einen Teelöffel aus meiner Jackentasche und, nachdem ich mich vergewissert hatte, von niemandem beobachtet zu werden, grub ich drei ca. 5 cm lange Rhizome vom Buschwindröschen (Anemone nemorosa) aus. Diese wickelte ich in eine feuchte Serviette und verstaute sie samt Löffel in meiner Jackentasche.




Einige Tage zuvor hatte ich an einer Wanderung durch den Taunus teilgenommen. Der ganze Waldboden bildete einen einzigen weißen Blütenteppich. Nie zuvor hatte ich solche Mengen von Buschwindröschen (Windröschen) gesehen und war zutiefst beeindruckt. Mein Garten zu Hause sollte mich immer an dieses schöne Erlebnis erinnern. Deshalb entschloß ich mich einen Tag vor meiner Abreise zu dieser Aktion.




Viele Jahre sind seitdem vergangen. Die Nachfahren dieser drei Rhizome vagabundieren mittlerweile durch meinen gesamten Garten. Als Gehilfen habe ich entweder die Vögel oder die Ameisen in Verdacht, denn die Samen, die sie bilden, können ja nicht wandern, die Rhizome schon, aber nicht bis in den Vorgarten, aufs Hochbeet und in meinen großen Terracotta-Topf mit den Aurikeln. Ich nehme alles mit einem milden Lächeln hin.




Herbstanemonen gehören sowieso zu meinen Lieblingspflanzen. Mit denen, die im Frühling blühen, ist es nicht anders.




Erst kürzlich hatte ich mir eine (vorgetriebene) Gartenanemone (Anemone coronaria) in einem besonders schönen Rot gekauft und mich eine Zeitlang im Eßzimmer daran erfreut. Natürlich war es in der Wohnung für sie zu warm.




Das Balkan-Windröschen (Anemone blanda), auch als Strahlenanemone bekannt, ist in meinem Garten nicht so vermehrungsfreudig. Ich habe einen großen weißen Tuff und fünf blaue Tuffs.




Dann wächst seit ein paar Jahren noch das Große Windröschen (Anemone sylvestris) neben der Weymouthskiefer, das sich gut vermehren soll, sich bei mir aber bis jetzt zurückhält. Vielleicht ist der Standort nicht optimal. Diese reinweiße Anemone ist eine sommergrüne Staude. Sie wird bis 40 cm hoch, hat schalenförmige Blüten mit einem Durchmesser von bis zu 7 cm und mag es sonnig und trocken. Sie blüht im Mai/Juni. Das nachfolgende Foto ist vom vergangenen Jahr.




Beenden möchte ich diesen Post mit einem Spruch von Albrecht Dürer, der da lautet:

'Willst du wissen, was Schönheit ist,
so gehe hinaus in die Natur,
dort findest du sie.'

Stimmt!

1 Kommentar:

  1. Liebe Edith,
    zufällig bin ich eben hier beim Morgenspaziergang in diesem Post gelandet und musste breit grinsen, als ich von Deinem Teelöffel las. Denn Buschwindröschen begleiten mich seit meiner Kindheit, da es ganz in der Nähe unserer Siedlung einen herrlichen Buchenwald voller Buschwindröschen gibt. Und damals - vor über 40 Jahren, als es noch nicht so extrem mit dem Naturschutz war, wanderten natürlich auch bei uns ein paar der Buschwindröschen aus dem Wald in den Garten, dessen UrUr…-Enkel sich nun auch schon seit über 30 Jahren in meinem weißen Vorgarten freudig vermehren und vor fast 20 Jahren natürlich mit in den weiß-blauen Garten nach Hannover zogen. Heutzutage würde ich solche Wildpflanzen natürlich lieber kaufen. Aber so, wie sich die damals dem Wald entnommen weißen Buschwindröschen, gelben Windröschen, Lerchensporn und Leberblümchen im Laufe der Jahre entwickelt und in 3 und auch mehr Gärten versamt haben, habe ich in dem Fall kein schlechtes Gewissen. Und solche Erinnerungspflänzchen haben ja ohnehin ihren ganz besonderen Reiz.
    Liebe Grüße
    Silke

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